Chronik

1871 - 2002

Bei allem Segen, den die Menschheit durch das Feuer erfahren hat, bringt es ihr aber auch unendliches Leid und Not, vor allem, wenn es der Mensch selbst für kriegerische Zwecke einsetzt. Stand in früherer Zeit ein mit Stroh oder Holzschindeln bedecktes Gebäudes in Flammen, waren bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts neben vereinzelten Feuerspritzen, Wassereimer und Feuerhaken die einzigen Mittel zur Brandbekämpfung. Auf diese Weise Feuer unter Kontrolle zu bringen, war außerdem nur bei gesamtnachbarlicher Hilfeleistung möglich. Ohne jegliche Organisation führte dies bei der bunt zusammengewürfelten Mannschaft meist zu heillosem Durcheinander. Die Möglichkeit Großbrände zu löschen war damit ausgeschlossen. So lag es nahe, daß die Menschen in ihrer Machtlosigkeit mehr Vertrauen auf Zauberformeln oder in bestimmte Heilige hatten. Sankt Florian war der Gewichtigste unter ihnen. Dargestellt in römischer Rüstung mit Fahne und Wasserkübel, findet man sein Bild in den meisten Kirchen und an Hauswänden. Selbst in unserer modernen Zeit wird der Heilige noch als Patron der Feuerwehren verehrt.

Im Laufe seiner langen Geschichte blieb auch Kraiburg nicht vom Feuer verschont. Mit seinen engen Gassen, in denen ein Haus an das andere gebaut war, konnte ein kleiner Brand schnell zur Feuerkatastrophe für den ganzen Ort werden, wie in den Jahren 1348, 1548 und 1571.

Es gab zwar unzählige Anordnungen und Ermahnungen, aber alle bezogen sich anfänglich nur darauf, wie Feuer verhindert werden konnte, oder mit dessen Auswirkung, wenn Hab und Gut schon verbrannt waren. Als einzige Maßnahme Kraiburgs zur Brandbekämpfung jener Zeit ist uns nur die Erweiterung des Marktbrunnens auf 4 Röhren 1652 bekannt und die Lagerung der "Feuerlösch - Requisiten" im Rathaus, soweit nicht jeder Hauseigentümer selbst einen Wassereimer besitzen mußte.

Mit den Veränderungen im kommunalen Bereich gab es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Bestrebungen, das Feuerlöschwesen zu reformieren. Die Anschaffung von Feuerspritzen und Gerätschaften wurde von staatlicher Seite verordnet; aber mangels geeigneter Organisation verstaubten diese oft in ihren Depots. Hauptsache: das Gewissen war beruhigt. Beruhigend wirkten auch die 1811 gegründeten Brandversicherungen, aber gutgeheißen wurden sie anfangs nicht von jedermann, da deren Einrichtung den "Eifer bei den Löschversuchen schwächen möchte."

Kraiburg hatte sich ebenfalls, den Verordnungen folgend, zwei dieser fahrbaren Spritzen angeschafft. Deren Pumpe funktionierte allerdings erst, wenn man sie zuvor mittels Eimer mit Wasser füllte. Auf diese Handhabung bezieht sich der Markt-Magistrats-Beschluß vom 19. Mai 1831: "... da Feuerlösch-Requisiten zur Sicherung der Habe jedes einzelnen Bürgers als unumgänglich notwendig erscheinen und man gegenwärtig im Besitz zwar guter Feuerspritzen ist und zu deren Bedienung man nicht mehr als 60 Feuereimer hat, so hat der Magistrat zur Beschaffung weiterer 30 Feuereimer anzutragen."

Zur Bedienung dieser Hand-Feuerspritzen genügte allerdings nachbarliche Hilfeleistung alleine nicht mehr. Ab 1841 mußte deshalb bei Bränden - auf Anordnung der Regierung - aus jedem Anwesen eine männliche Person für verschiedene Aufgabenbereiche herangezogen werden.

1853 genehmigte der Magistrat den Kauf einer "Fürther Saug- und Druckspritze" sowie von 400 Schuh langen Hanf-Schläuchen um 1050 Gulden. Für die Unterbringung der Feuerlösch-Requisiten erwarb 1861 der Markt vom Zimmermeister Blattner den Stadel an der nordwestlichen Seite des Schloßberges.

 

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg

Immer wiederkehrende Feuerkatastrophen ließen die Forderung nach einer besseren Organisation laut werden. Dies konnte nach damaligem Verständnis nur auf freiwilliger Vereinsbasis geschehen. Auch in Kraiburg wurde 1865 der Beschluß gefaßt, dem Vorbild anderer Orte zu folgen und eine Feuerwehr zu gründen. Man wählte sich Freising als Beispiel. Eine Deputation mit den Herren Zintl, Lerch, Riedl, Plöderl und Fischer informierte sich daraufhin an Ort und Stelle über alles Wissenswerte, über deren Statuten und Requisiten.

Aber wie es im Leben oft geht, der normale Alltag sowie eine gewisse Trägheit und der Schlendrian ließen die guten Vorsätze rasch vergessen. Dies führte dazu, daß der im selben Jahr von Dr. Lerch gegründete Turnverein auch die Funktion einer Feuerwehr übernahm. Dessen 43 Mitglieder waren ja aufgrund ihrer Körperkraft und Gewandtheit dafür besonders geeignet.

Diese allerorts verschiedenartige Regelung sollte durch die distriktspolizeiliche Feuerlöschordnung vom 20. November 1866 und der Einführung einer erweiterten Feuerwehrpflicht unterbunden werden. Eine einheitliche Organisation ließ sich jedoch zu dieser Zeit auch in Kraiburg nicht durchsetzen, so daß jahrelang Turnverein und Pflichtfeuerwehr getrennt zum Brandherd eilten.

Der Brand am 9. Februar 1871 im Brauhause Stumbeck, dem heutigen Unterbräu, der Brau- und Gasthaus einäscherte, gab den nötigen Funken, um erneut die Idee zu zünden, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Zwar konnten die herbeigeeilten Turner und die Pflichtfeuerwehr - trotz Organisationsmängel ein weiteres Umsichgreifen des Brandes verhindern, aber der Schreck einer möglichen Katastrophe saß tief.

Schon am 26. Mai des selben Jahres trafen sich 46 verantwortungsbewußte Kraiburger Bürger, die hauptsächlich aus der Turnerschaft kamen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr. Nach Neumarkt, Buchbach und Mühldorf war dies die vierte Gründung im Bezirk. Eine Woche später, am 1. Juni 1871 fand bereits die erste offizielle Generalversammlung statt. Neben den Aktiven waren noch 38 Honoratioren als außerordentliche Mitglieder erschienen; allen voran Bürgermeister Hardt, die Geistlichkeit der ganzen Umgebung, der Arzt Dr. Lerch, der Verwalter von Jettenbach und der Lehrer von Taufkirchen.

Aus der ersten Wahl zur Vorstandschaft gingen folgende "Chargen" hervor:

Vorstand: Bürgermeister Joh. Nep. Hardt; dessen Funktion übernahm jedoch einen Monat später der Schlossermeister Johann Zintl

Kommandant: Georg Gerbl, Maurermeister

Adjutant: Carl Riedl, Brauer

Requisitenmeister: Johann Zintl, Schlossermeister

Schriftführer: Georg Jais, Chorregent

Kassier: Xaver Hardt, Kaufmann

sowie als Zugführer und Rottenführer die Herren Plöderl, Baumgärtner, Martin, Fischer, Rau und Merkl.

Als Morgengabe überließ der Magistrat dem Verein die vorhandenen Gerätschaften zur unbeschränkten Benutzung und verfügte eine Dotation von 200 Gulden sowie einen jährlichen Zuschuß von 10 Gulden.

Der Färber Auer gab ein unverzinsliches Darlehen von 200 Gulden zur Anschaffung von Armaturgegenständen; Apotheker Wimmer schenkte eine Hakenleiter und ein Rettungsseil; von Graf Toerring zu Jettenbach kamen 100 Gulden und die Gladbacher Feuerversicherung spendete 25 Gulden. Auch die traditionellen Kraiburger Theaterspiele brachten der neuen Feuerwehr 151 Gulden ein. Zu alledem kamen noch die Beiträge der aktiven und außerordentlichen Mitglieder.

Für den Anfang war dies schon ein ansehnliches finanzielles Polster. Einer so stark motivierten Wehr reichten jedoch die vorhandenen Wassereimer und älteren Maschinen nicht mehr zum Löschen, weshalb für die Zukunft erhebliche Anschaffungen nötig waren, um auf dem neuesten Stand der Löschtechnik zu sein.

Zweck der Gründung war laut Statuten, "das Leben und Eigenthum der Einwohner bei vorkommenden Feuersbrünsten nach Kräften zu schützen." Um Erfolg in ihren Bemühungen verbuchen zu können, unterwarfen sich die aktiven Mitglieder einer militärisch ausgerichteten Organisation mit Statuten und Dienstvorschriften.

"Ich Unterzeichneter verlange hiermit in die freiwillige Feuerwehr dahier, als actives Mitglied aufgenommen zu werden, und verpflichte mich auf Ehrenwort und Handschlag meinen Beruf als Feuerwehrmann mit Uneigennützigkeit, Unverdrossenheit und Eifer nachzukommen, die Satzung getreu zu beobachten, die Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich zu vollziehen und mich stets so zu verhalten, wie es zur Aufrechterhaltung und Würde des Corps notwendig ist. Diese mir deutlich vorgelesene Formel richtig bedacht und verstanden zu haben bestätigt durch Unterschrift und Handschlag was so viel ist wie ein Eid."

Nach diesem Versprechen der eintrittswilligen Männer folgte die Aufnahmeformel durch den Vorstand:

"Feuerwehr-Kameraden:

Sie haben uns Ihren Willen kundgegeben in unser Corps einzutreten. Wir heißen Sie in unseren Reihen von Herzen willkommen und haben nun den Wunsch, daß Sie, als künftige, opferwillige Feuerwehrmänner befunden werden. Sie haben sich freiwillig unserem Corps angeschlossen, so bitten wir nun auch, unsere Statuten und unserer Dienstvorschriften folge zu leisten, die Übungen fleißig zu besuchen, damit Sie bald Ihrem Dienst nachkommen können, ebenso im Brandfalle rasch zu Stelle zu sein und mit ganzer Kraft und mit bestem Willen den bedrängten Mitmenschen Schutz und Hilfe zu bieten.

Wir wünschen ferner, daß Sie in und außer dem Corps als ein ehrenhafter Mann erkannt werden und daß Sie durch reges Interesse an unserer guten Sache und durch Verträglichkeit mit den Kameraden unseren Vereinszweck fördern helfen.

Daß Sie all dieses geloben geben Sie mir nach deutscher Feuerwehr-Sitte die Hand.

Bringen wir unseren neueingetretenen Kameraden ein dreifach donnernd "Gut Heil".

Verstöße gegen die Statuten wurden ohne Ansehen der Person unnachsichtig über Verweise bis hin zum Ausschluß aus der Gemeinschaft bestraft, wie es des öfteren der Fall war. Trotz dieser strengen Vorschriften traten im Laufe des Jahres weitere 18 Männer aktiv der Freiwilligen Feuerwehr bei.

Was wäre jedoch ein Verein ohne Fahne oder Standarte! Kraiburg wählte beides. Die Fahne - ein weinrotes Tuch, viereckig, in der Mitte mit weißer Farbe "Die freiwillige Feuerwehr Kraiburg" aufgemalt und in beiden Ecken symbolisch eine fahrbare Wasserpumpe sowie ein Helm mit Feuerwehrleiter und Rohr. Die Rückseite war nicht bemalt. Diese Fahne wird derzeit im Heimatmuseum aufbewahrt; sie befindet sich jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Als zweite Variante nahm man die Standarte, da sie auf dem Löschwagen aufgepflanzt werden konnte. Dem heiligen Florian geweiht wurde sie zum Symbol der Hilfsbereitschaft.

Ihre Feuertaufe empfingen Kraiburgs Floriansjünger geschlossen beim Brand in Guttenburg am 19. Juli 1871.

Am 9. August des Gründungsjahres erließ der Marktmagistrat auf Grund des Artikels 175 Abs. 2 des Polizeistrafgesetzbuches eine Feuerlöschordnung. Die neugegründete Feuerwehr wurde dabei berücksichtigt und in ihren Bemühungen unterstützt.

Laut Paragraph 1 mußte zur Vorbeugung jeder Hausbesitzer "sowohl zur Sommers- als zur Winterszeit einen mit Wasser gefüllten Zuber unter seinem Dache aufbewahren; um jedoch dem Einfrieren im Winter zu begegnen, hat die Füllung mit Mutterlauge zu geschehen."

Weiters wurde es den Nachtwächtern "zur heiligsten Pflicht gemacht, die größte Obsicht und thätigste Wachsamkeit zu halten...". Im Falle eines nächtlichen Brandes hatte er sogleich Feuerlärm zu schlagen, den Bürgermeister und speziell den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr zu benachrichtigen. Auch mußte durch Läuten der Glocken, Schießen und Hornsignale die ganze Bevölkerung über die Feuersgefahr in Kenntnis gesetzt werden, die dann vor ihrem Haus Laternen auszuhängen hatten. Es durfte auch niemand versuchen, das bei ihm ausgebrochene Feuer selbst zu löschen, um nicht dadurch einen noch größeren Brand heraufzubeschwören.

Der Freiwilligen Feuerwehr wurde noch einmal die "unbeschränkte Benutzung der gemeindeeigenen "Fürther - Spritze" nebst den "hiezu nöthigen Schläuchen und 20 Feuereimer," sowie der neuen Schubleiter ausdrücklich genehmigt.

Paragraph 9 regelte das Verhältnis der freiwilligen und verpflichteten Feuerwehren zueinander.

"Alle jene hiesigen Einwohner, welche nicht als Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Dienst leisten, haben nach jeweiliger Anordnung des Magistrats bei den alle Jahre zweimal vorzunehmenden Übungen und einer Hauptübung jedesmal im Verein mit der freiwilligen Feuerwehr zu erscheinen und bei dem Ausbruche eines Brandes den Anordnungen der Branddirektion unweigerlich Folge zu leisten." Für Zuwiderhandelnde wurde eine Geldstrafe bis 25 Gulden oder Arrest bis zu 8 Tagen festgesetzt.

Knapp zwei Jahre später kamen neue, diesmal einschneidende Verordnungen. Mit der deutschen Reichsgründung 1871 ging man daran, auch das Löschwesen auszubauen und zu vereinheitlichen. Die distriktspolizeiliche Vorschrift vom 14. 3. 1873 zu Paragraph 368 Ziffer 8 des Reichsstrafgesetzbuches brachte vor allem den Freiwilligen Feuerwehren die erforderliche Grundlage. Feuerlöschbezirke wurden gebildet, um die gegenseitige Hilfe zu gewährleisten, wobei Kraiburg als Hauptort die Gemeinden Maximilian, Pürten und Jettenbach zugeteilt bekam.

Für Kraiburgs Wehr zählte zur eigenen Gemeinde bis 1935 nur der alte Marktbereich innerhalb des Burgfriedens mit einer Größe von lediglich 78 Hektar, umgeben und eingeengt von der Landgemeinde Maximilian mit 946 Hektar, die pflichtgemäß selbst eine Wehr unterhalten mußte. Unter diesen Umständen spielten im Falle eines Brandes die kommunalen Grenzen sowieso nie eine Rolle.

Mit einigen Ausnahmen mußten alle männlichen Einwohner vom 18. bis 60. Lebensjahr laut distriktspolizeilicher Vorschriften bei einem Brande Dienst leisten; notfalls konnten auch erwachsene ledige Frauenspersonen zum Wassertragen herangezogen werden. Die Einteilung hatte in Steiger, Spritzenmänner und Ordnungsmänner mit einem jeweiligen Führer zu geschehen, die dann in jedem Quartal mindestens eine zweistündige Übung vornehmen mußten. Beim Bestehen einer Freiwilligen Feuerwehr bekam diese wieder das Kommandorecht über die verpflichteten Männer, ansonsten übernahm dies die Gemeindeverwaltung.

Feuerreiter waren zu bestimmen, die ausgesandt wurden, wenn bei einem Brand mehr als ein Haus bedroht war, um die Nachbargemeinden zwecks Hilfeleistung zu alarmieren.

In der Zeit vor der Motorisierung brauchte man Pferde auch zur Bespannung der Löschmaschinen und Requisitenwägen. Pferde- und Fuhrwerksbesitzer wurden deshalb zu diesen Aufgaben turnusmäßig mittels einer kleinen Tafel an deren Hauswand verpflichtet, wobei es allerdings des öfteren zu Streitigkeiten kam.

Weiters mußten laut Verordnung folgende Löschgerätschaften sofort ergänzt werden: Jeder Besitzer eines Wohngebäudes hatte einen Feuereimer oder sonstiges Behältnis von mindestens 10 Liter bereit zu halten.

 

Feuerleitern und Feuerhaken waren anzuschaffen:

a) in Ortschaften von 5 bis 10 Wohngebäuden mindestens je 1 Stück

b) in Ortschaften von 10 bis 20 Wohngebäuden mindestens je 2 Stück

c) in größeren Ortschaften mindestens je 3 Stück.

Jeder Ort mit mehr als 20 Wohngebäuden mußte sich eine Löschmaschine zulegen, "welche einen Wasserstrahl mindestens 20 Meter weit treibt und mindestens 80 Liter Wasser per Minute auszuwerfen im Stande ist." An Hauptorten eines Feuerlöschbezirkes mußte "mindestens eine vierrädrige Wagenspritze vorhanden sein, welche auf 21 Meter Entfernung 110 Liter Wasser per Minute auszuwerfen vermag."

Die Gemeindebehörden hatten außerdem für die Aufbewahrung der Löschgeräte geeignete Plätze und Lokale zur Verfügung zu stellen, sowie für die Herstellung und Instandhaltung entsprechender Wasserbehälter zu sorgen, soweit keine Teiche und fließendes Wasser vorhanden waren.

Es folgten die gleichen Anordnungen im Brandfalle wie schon in der Magistratsverordnung von 1871. Hinzu kam, daß bei strenger Kälte alle Besitzer von Kesseln heißes Wasser bereit halten und Eigentümer von Brunnen diese benützen lassen mußten. Auch "das Zechen in den Wirtshäusern des Ortes, in welchem ein Brand ausgebrochen ist, ist verboten." Das Entfernen von der Brandstätte unter Zurücklassung einer Wache war ebenfalls geregelt.

Für die Durchführung dieser Bestimmungen waren die Bürgermeister verantwortlich und mußten binnen 6 Wochen deren Vollzug melden.

Die Marktgemeinde kaufte nun gemäß den Vorschriften eine Feuerspritze für 760 Gulden. Ein Jahr zuvor -1872- hatte sich die Freiwillige Feuerwehr eine eigene Spritze um 250 Gulden zugelegt, so daß Kraiburg jetzt über 5 Löschmaschinen verfügte, die alle fahrbar waren. Hinzu kamen noch 100 Feuereimer, 16 Feuerleitern und 8 Feuerhaken.

Bei der Generalversammlung am 11.5.1873 gab es eine Veränderung in der Vorstandschaft. Der bisherige erste Vorstand Johann Zintl übernahm zusätzlich die Stelle als Kommandant. Er scheint der richtige Mann der ersten Stunde gewesen zu sein, denn unter seiner straffen Leitung - 14 Jahre Vorstand und 4 Jahre Kommandant - konnte die Freiwillige Feuerwehr Kraiburg nennenswerte Erfolge verbuchen.

Im Mai 1875 bildete sich unter Mitwirkung des hiesigen Vereins der Gauverband Mühldorf - Neumarkt. Innerorts gab es zu dieser Zeit bedeutende Verbesserungen. Da die Wasserleitung des Marktes, aus Quellen in der Schützenau, für Löschzwecke nicht genügend Wasser lieferte, baute die Gemeinde um 1800 Gulden ein Druckwerk an der Mittermühle und von dort eine neue Leitung zum Marktplatz mit 4 Hydranten. Durch Wasserkraft angetrieben, konnte das Werk der Firma Weber, Neuötting, 1 000 Liter Wasser in der Minute aus dem Mühlbach zum Marktplatz befördern. Am 31. Mai 1876 übernahm die Feuerwehr diese moderne Einrichtung und stolz führten sie das Druckwerk ein Jahr später, am 17. Juni 1877, beim hier stattfindenden Gauverbandstag, der anwesenden Prominenz und den teilnehmenden Kameraden vor. Leider bewährte es sich auf die Dauer nicht, so daß im Jahre 1900 an derselben Stelle ein neues Druckwerk um fast 5 000 Mark eingebaut werden mußte. Dieses speiste dann bei Feuersgefahr allerdings 13 Hydranten, lieferte aber nur 600 Liter Wasser pro Minute.

Die neugebaute Bahnstrecke Mühldorf - Rosenheim sollte ebenfalls für die Zwecke der Feuerwehr eingespannt werden. Es gab daher 1876 von Seite des Vereins eine Eingabe an den hiesigen Magistrat, "es möchte bei der Gemeinde Pürten dafür Sorge getragen werden," daß im Falle eines Brandes in Kraiburg die mit der Bahn ankommenden Feuerwehrmänner an der Bahnstation Pferde zum Transport zur Verfügung hätten. Die Freiwillige Feuerwehr war ja seit ihrer Gründung nicht nur für den Brandfall im eigenen Ort zuständig, sie halfen selbstlos auch an anderen Orten, wo immer sie gebraucht wurden - 1874 mit 7 Mann in Wasserburg und mit 2 in Braunau; ebenfalls 2 Mann waren 1875 in Mühldorf bei einem Brand; im nahen Jettenbach half dagegen wieder die ganze Wehr, die zu dieser Zeit aus 60 Mann bestand.

Die rosige finanzielle Lage des Vereins bei seiner Gründung hatte sich spätestens 5 Jahre danach durch Anschaffungen ins Gegenteil geschlagen. Ein Gesuch von 1876 an das Bezirksamt Mühldorf führt uns dies sehr drastisch vor Augen:

"Der unterzeichnete Verein erlaubt sich, von Mitteln gänzlich entblößt und durch die hiesige Bürgerschaft durchaus nicht unterstützt, von dem Landrathe von Oberbayern für das Jahr 1876 bewilligten Fond um einen Zuschuß von 500 Mark zu bewerben. In einem Zwischenraume von fünf Jahren (Gründung 1871) gelang es durch treues Zusammenhalten und die Opferwilligkeit der Mitglieder die nöthigen Helme, Gurte, Hakenleitern und eine kleine Spritze zu beschaffen, noch fehlen ein Requisitenwagen, eine Schubleiter, um bei einem Brande die nöthige Hülfe zu leisten. Der Verein kann dies nicht leisten, da die Monatsbeiträge durch Jahre kaum zur Anschaffung von Kleinigkeiten genügend sein werden. Der Verein stellt daher dringend die Bitte um Gewährung obiger Summa und kann durch seine Bücher ausweisen, welch kümmerliches Dasein derselbe durch sein auf sich selbst Angewiesensein bisher hatte. In der Hoffnung auf baldige Unterstützung zeichnet....."

Diese Hoffnung auf baldige Unterstützung begleitete die Freiwillige Feuerwehr in ihrer 125jährigen Geschichte bis in unsere Tage. Anfangs verging kaum ein Jahr, daß nicht beim Bezirksamt, Gauverband oder der Gemeinde um Unterstützung eingereicht wurde. In seiner prekären Lage ergriff der Verein jeden Strohhalm, um die Finanzen aufzubessern. So ist auch der Brief an den Verwalter von Guttenburg zu erklären, in dem 1876 mit einer Anzeige beim kgl. Bezirksamt gedroht wurde. Der Ort besaß nämlich keine der beiden Feuerwehren, obwohl dort "30 bis 40 junge kräftige Männer" lebten. Zwar hatte dies Fürst Konstantin von Cantacucene wohlweislich bedacht und zuvor Kraiburgs Wehr kostengünstiger mit 10 Gulden jährlich unterstützt, aber nach dessen Tod 1875 weigerte sich der Nachfolger, diese Verpflichtung zu übernehmen.

Bescheidene finanzielle Hilfe kam nach der Währungsumstellung, als der aufgelöste katholische Gesellenverein am 8. August 1876 seine Theaterrequisiten der Freiwilligen Feuerwehr vermachte. Dieses Geschenk brachte nicht nur durch eigene Aufführungen Geld in die Vereinskasse, auch beim Verleih an andere Vereine wurde eine Gebühr von 10.-- Mark erhoben.

1877, bei der Generalversammlung am 15. Juli, ging die vierjährige Doppelfunktion von Johann Zintl als Vorstand und Kommandant zu Ende. Mit allen Stimmen wurde der bisherige Requisitenmeister Carl Riedl zum neuen Kommandanten gewählt. Der Verein sollte dies nie bereuen, denn der tatkräftige Brauereibesitzer und Ökonomierat, der später überdies noch 24 Jahre lang gewähltes Mitglied des Landrates war - gleich einem heutigen Landtagsabgeordneten - setzte sich zeitlebens für dessen Wohl ein. Ehre und Anerkennung auch für Kraiburgs Wehr brachte 1880 seine Entsendung als Bezirksvertreter zum XI. Deutschen Feuerwehrtag in Dresden. Seinen ersten Einsatz als Kommandant im Ernstfalle hatte Riedl am 6. September 1877 beim Brand des Schex-Stadels.

1878 erforderte die Anschaffung eines Mannschafts-Transportwagens, einer neuen Biberacher Schubleiter, von Armaturstücken und Uniformen erneut ein Bittgesuch an den Gauverband. Dabei wurde wiederum die mangelnde Unterstützung durch die Einwohnerschaft beklagt.

Am 17. Januar 1879 erließ das königliche Bezirksamt Mühldorf eine neue Feuerlösch-Ordnung für den ganzen Distrikt - eine verbesserte Form von 1873. In ihren acht Abschnitten wurde nun das Feuerlöschwesen bis ins kleinste Detail geregelt. Neu war, daß die einzelnen Dienstgrade der Pflichtfeuerwehr am linken Arm eine Binde mit verschiedenen Farben tragen mußten. Außerdem wurde bei ihren Übungen jetzt Zeitpunkt, Dauer, Kommando, Verhalten und Ausnahmen genau festgelegt. Unter anderem war dabei "das Mitnehmen von Hunden, Spazierstöcken und Regenschirmen, dann das Tabakrauchen" nicht gestattet. Ebenso waren "die Besitzer von Odel- und größeren Wasserfässern verpflichtet, dieselben mit Wasser gefüllt auf den Übungsplatz zu verbringen."

Brände in Nachbargemeinden bis auf eine Entfernung von 10 Kilometer verpflichteten zur Hilfeleistung; sollte jedoch der Brandort mehr als 2 Kilometer entfernt liegen, mußte die Mannschaft auf Fuhrwerken dorthin befördert werden.

Der erste Brandgeschädigte des Ortes nach Inkrafttreten der neuen Löschverordnung war der eigene Kommandant Carl Riedl. Durch die Einmündung eines Balkens in den Kamin entstand am 8. Dezember 1879 ein Zimmerbrand, der jedoch gottlob in einem 1 ¼stündigen Einsatz gelöscht werden konnte.

Nicht so glimpflich ging dagegen der Stadelbrand des Baders und Magistratrates Anton Schenkel ab. Als dort am 6. August 1880 um 14.15 Uhr Feuer ausbrach, bestand die Gefahr, daß es bei dem vorherrschenden Nord-Ost-Wind durch Funkenflug auf die Schindelbedachungen des Schenkelhauses und der übrigen Häuser des Marktes übergreifen könnte. Damit wäre eine Katastrophe für den Ort eingetreten wie bereits dreimal zuvor im Laufe seiner Geschichte. Schon nach kurzer Zeit standen Kraiburgs Wehren vor Ort. Auch die benachbarten Pflichtfeuerwehren von Maximilian und Pietenberg kamen mit 10 Mann, die Freiwilligen Feuerwehren von Pürten mit 16 Mann, Fraham mit 8 Mann, Guttenburg mit 20 und Jettenbach mit 6 Mann. An diesem Tag bewährte sich das erstmals im Brandfalle verwendete Wasserdruckwerk hervorragend. Es konnte zwar der Stadel nicht gerettet werden, aber durch den dreistündigen Einsatz der herbeigeeilten Wehren, die die übrigen Häuser vom Brandherd abschirmten, sowie das hervorragende Organisationstalent des Kommandanten Carl Riedl konnte ein weit schlimmerer Schaden für den Ort abgewendet werden. Dankbar überreichte Herr Schenkel dem Corps "in Anbetracht seiner Leistungen" die Summe von 30 Mark für deren Vereinskasse. Im Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr befindet sich ein gezeichneter Situationsplan des Kommandanten, der jene Brandbekämpfung übersichtlich erläutert.

Seine negativen Erfahrungen, die Riedl dabei mit der Pflichtfeuerwehr machte, gab er später in einem Brief an den bayerischen Landesfeuerwehr-Ausschuß in München ebenfalls zu Protokoll. Seiner Meinung nach entsprachen sie ihrem Zweck nicht. Er warf ihnen Kopflosigkeit bei Ausbruch eines Brandes vor und das Verlassen der ihnen zugewiesenen Plätze und Requisiten. Die Ursache sah er darin, daß die Truppe hauptsächlich aus Tagelöhnern, Maurern und Knechten bestünde, die auswärts ihren Verdienst suchten, an Sonntagen aber zu Übungen erscheinen mußten.

Noch eines hatte Kraiburgs Freiwillige Feuerwehr bei diesem Brand erfahren, daß ihre Löschmaschinen total veraltet waren und nicht mehr den Anforderungen einer gut geschulten Wehr entsprachen. Einstimmig beschlossen sie deshalb auf der nächsten Generalversammlung am 29. November, eine J.Ch.Braun´sche (Nürnberg) Saug- und Druckspritze Nr. 4 um 1510.-- Mark zu beschaffen. Allein konnte natürlich der horrende Betrag nicht aufgebracht werden, wozu wiederum um eine "größere Summe" aus den Mitteln der Distriktskasse gebeten wurde. Den Rest hoffte der Verein "mit der Hülfe Gottes schon zu bewältigen."

Die Übergabe und Vorführung dieser Maschine sollte außerdem der feierliche Höhepunkt des 10jährigen Gründungsjubiläums am 22. Mai 1881 sein. Die rechtzeitige Lieferung der Spritze schien gesichert, nachdem am 30.4. eine Postkarte ankündigte, daß diese gleichzeitig mit derjenigen für Taufkirchen versandt würde. Als jedoch der 22. Mai immer näher rückte und das Fest mit den Erscheinungszusagen von Ehrengästen, 17 Feuerwehrabordnungen und Musikkapellen schon fest programmiert war, erschien statt der zugesagten Feuerspritze am 12. Mai ein Telegramm. Darin wurde mitgeteilt, daß diese nicht zum vorgesehenen Fest geliefert werden könne. Noch am selben Tag schrieb Kommandant Riedl einen geharnischten Brief an die Löschmaschinenfabrik nach Nürnberg. "Wir sind gewohnt Wort zu halten und erwarten das Gleiche von Männern mit denen wir Geschäfte haben......" "......die Taufkirchner Spritze kümmert uns nichts....." Regreßforderungen wurden angedroht und als letzter Termin der 19. Mai genannt.

Zu den hektischen Festvorbereitungen und der Ungewißheit um sein Gelingen kam am 11. Mai, gleich einer Generalprobe, auch noch der Brand im Sommerkeller des Brauers Schex. Ein Balken hatte wiederum das Feuer verursacht.

Trotz aller Turbulenzen verlief die 10jährige Stiftungsfeier doch noch zur allgemeinen Zufriedenheit. Das Mühldorfer Tagblatt konnte daraufhin von dem Fleiß der Mannschaft unter der tüchtigen Leitung des Kommandanten Herrn Riedl berichten.

Der Bericht für das Jahr 1881 zeigt uns mit der umfangreichen Inventaraufstellung, wie die Freiwillige Feuerwehr Kraiburg in ihrer 10jährigen Tätigkeit Einnahmen, Unterstützungen und Spenden verwendete.

Mitgliederstand:

Aktive 54 Mann

Außerordentliche 27 Mann

Pflichtfeuerwehr 106 Mann


Inventar:

2 Saug- und Druckspritzen 75 Helme

1 kleinere Spritze 40 Steigergurte

3 Eimer 5 Chagirtengurte

115 Meter Schläuche 2 Signalhörner

2 Schlauchbinden 5 Hupen

1 Mannschaftswagen 65 Pfeifen

1 Steigerwagen 24 Steigerbeile

2 Schubleitern 6 Schlauchhalter

3 Anstelleitern 6 Nothhaken

5 Hakenleitern 2 Feuerwehrfahnen

2 Schlauchhaspeln 100 Cocarden

1 Rettungsschlauch 1 Armbinde

1 Fackel 1 Piqul (Pickel)

15 Laternen 1 Schaufel

1 Kuppelstück

 
Kassenverhältnisse:

Einnahmen über Mitgliedsbeiträge 148,70 Mark

Ausgaben 2297,15 Mark

Vermögensstand / Schuld 2148,45 Mark

Eine beachtliche Schuldsumme für jene Zeit!

Die letzte Hoffnung, dafür doch noch Unterstützung zu bekommen, war der Brief vom 2. Januar 1882 an König Ludwig II selbst.

"Allerdurchlauchtigster, großmächtigster König.

Allergnädigster König und Herr."

"Allerunterthanigst treugehorsamste Bitte der freiwilligen Feuerwehr Kraiburg um allergnädigste Gewährung einer Unterstützung aus dem Gewinnanteile der München - Aachen -Feuerversicherungs-Gesellschaft, betraf."

"Das unbegrenzte Vertrauen auf die allerhöchste Huld und Gnade Euer kgl. Majestät welches alle Feuerwehren Bajerns beseelt, geben uns den Muth sich dem Throne Allerhöchst derselben mit einer allerunterthänigsten Bitte zu Nahen.

Die freiwillige Feuerwehr Kraiburg erlaubt sich anbei allerunterthänigst um allergnädigste Gewährung einer Unterstützung zu bitten. Die freiwillige Feuerwehr hat durch Anschaffung einer neuen Spritze, einem Mannschaftstransportwagen, einer Biberacher-Schubleiter und diverser Armatur-Gegenstände in ihrer Cassa betrachtlichen Defizit erhalten. Die Cassa ergibt Sa Sa ein Defizit von M 2000. Die Gemeinde Kraiburg ist wegen Überbürdung mit Gemeindelasten leider auch nicht befähigt, der freiwilligen Feuerwehr namhafte Unterstützungen zu gewähren, wohlthätige Gönner und Helfer entbehren wir wieder; umso hilfsbedürftiger dürfte der Verein erscheinen deshalb bleibt uns kein anderer Ausweg übrig als an Euer kgl. Majestät die Allerunterthänigste Bitte zu stellen:

Euer kgl. Majestät möge allergnädigst geruhen der freiwilligen Feuerwehr Kraiburg ein Unterstützung aus dem Gewinnantheile der München - Aachen - Feuerversicherungs-Gesellschaft anweisen zu lassen.

In allertiefster Unterthenigkeit zeichnet Euer kgl. Majestät und allerunterthanigst treugehorsamste freiw. Feuerwehr Kraiburg."

Bis allerdings die Zahlung von 250.-- Mark nach 19 Monaten genehmigt und ausgezahlt war, hatte sich schon wieder ein neues Schuldenloch geöffnet.

Neben einem Feuereinsatz in Jettenbachs Brauerei gab es am 14. 5. 1882 in Ampfing einen Großbrand, bei dem 9 Firste den Flammen zum Opfer fielen. Kraiburgs Wehr kam schon nach einer Stunde mit 17 Mann und der neuen Spritze zum Einsatzort, die sich dann "äußerst zufriedenstellend bewährte".

Ende 1882 ersuchte der Verein das "hochlöbliche Magistrat" um unentgeltliche Überlassung des leerstehenden Hardt`schen Eisenladens im Magistratsgebäude. Da die Räume eine Ausfahrt besaßen, waren sie zur Unterbringung der zahlreichen Feuerlöschrequisiten und Armaturgegenstände besonders geeignet.

Am 5.1.1885 gab es für den Verein eine Wende in der Vorstandschaft. Carl Riedl, der die politische Laufbahn einschlug, hatte sich für die Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung gestellt. Auf Anregung der Feuerlöschwesens - Zeitung Nr. 24 wurde nun der Beschluß gefaßt, die Ämter des Vorstandes und des Kommandanten aus Zweckmäßigkeit in einer Person zu vereinen. Dies hatte jedoch Johann Zintl schon vorher für sich aus Altersgründen abgelehnt, und seinen Posten kommissarisch an den Apotheker Joh. Nep. Wimmer übergeben.

Unter dem Gerber Josef Geist wurden nun beide Ämter 19 Jahre lang bis 1904 wieder in einer Person vereint; als Vorstand wirkte er sogar bis 1907. Josef Geist scheint ein strenges Regiment geführt zu haben, denn in seiner Amtszeit gab es mehrmals Ausschlüsse von Kameraden "wegen ungebührlichen Betragens gegen das Corps und seinen Kommandanten". Bei der Vereidigung der neugewählten Vorstandschaft kam es jedoch zu einem Skandal. Einer der Zugführer lehnte den Eid als "nichtsnützige Stiefelei" ab, worauf er für immer aus ihren Reihen verstoßen wurde.

Eine Episode im Protokollbuch zeigt, daß sich die Feuerwehr nicht nur zum Löschen der Brände eignete. Im April 1885 mußte sie nach Aufforderung der Gendarmerie eine Zigeunereskorte bis Pürten weitertransportieren.

Nach längeren Überlegungen erteilte der Verein am 21. 4. 1886 den Auftrag für eine 14,50 Meter lange Weinhart`sche fahrbare Schubleiter um 760 Mark, da die derzeitige Augsburger Schubleiter eine eminente Kraftanstrengung von acht kräftigen Leuten verlangt.

Im Mai konnte der Verein von insgesamt 99 Mann noch 12 Mitglieder der ersten Stunde für ihre 15 jährige Zugehörigkeit ehren: Johann Zintl, Carl Riedl, Franz Fischer, Georg Baumgärtner, Andreas Wiesenbacher, Heinrich Zack, Paul Lohmaier, Jakob Lukas, Franz Weisauer, Josef Heilmaier, Lorenz Schuster und Joh. Nep. Wimmer.

Je attraktiver die Freiwillige Feuerwehr im Laufe der Jahre wurde, desto mehr verkümmerte dessen Amme - der Turnverein. 1886 konnte er nur mehr drei Mitglieder aufweisen und übergab deshalb sein Barvermögen von 33,74 Mark an die Freiwillige Feuerwehr; die Immobilien übernahm der Magistrat zur Aufbewahrung bis zu seiner Wiederbelebung am 23. Juni 1887. Bei der Neubildung verpflichteten sich dessen Mitglieder "zur besonderen Teilnahme an der Feuerwehr, um bei ausgebrochenem Feuer im Markte möglichst schnelle Hilfe zu leisten".

Erneute Anschaffungen zum Inventar 1887 - 2 Handwägen für Schlauchhaspeln und 12 Laternen - erhöhten die Leistungsfähigkeit der Männer. Beim Reinigen ihrer Requisiten gab es jedoch Schwierigkeiten. Der Magistrat hatte zwei Brunnenwarte angestellt, die auch für die Reinigung der Feuerlöschgeräte verantwortlich waren. Dennoch zeigt eine Beschwerde von 1888, daß die Löschmaschinen nach Übungen in einem mangelhaften Zustand belassen wurden und Schläuche, die sie im Marktbrunnen zu säubern hatten, ohne aufzurollen vier Wochen auf dem Boden liegen blieben.

Auch mit der Gemeinde Maximilian gab es 1890 Differenzen, da der Obermüller von der Mittermühle, in der das Wasserdruckwerk eingebaut war, der Kraiburger Feuerwehr beitreten wollte. Die zuständige Gemeinde Maximilian verweigerte dies jedoch, worauf Kraiburg vor dem kgl. Bezirksamt diesen Fall beklagte und auch Recht bekam. Kraiburgs Pfarrherr Josef Krandauer hatte es sich zum Ziel gesetzt, für seine Pfarrei eine neue Kirche zu bauen. Sie sollte an Stelle des alten Rathauses entstehen, das dafür weichen mußte. 1889 ging man an die Säuberung des Bauplatzes. Das war auch das Ende des ehemaligen Hardt`schen Eisenladens, der zuletzt der Feuerwehr als Requisitenraum diente. Aus diesem Grunde kaufte der Markt am Fuße des Schloßberges um 5000 Mark den Heilmeier - Stadel und baute dort nach Plänen des ehemaligen Kommandanten Riedl für 4230 Mark ein eigenes Feuerwehrhaus mit Steigerturm.

Der Verein bestand in diesem Jahr aus 73 aktiven Mitgliedern: dem Vorstand und Kommandanten, 2 Kassierer und dem Schriftführer, dem Adjutanten, Requisitenmeister und Standartenträger, sowie 5 Zug - und Rottenführer, 3 Signalisten und 2 Bader als Sanitäter; die Steiger zählten 20 und der Hydrantenzug 10 Mann; 13 waren in der Spritzenmannschaft aktiv und ebenso viele als Ordnungsmänner.

An passiven Mitgliedern hatte der Verein 38 Mann zu verzeichnen. Die enge Verbundenheit der Vereinsmitglieder über den Tod hinaus zeigt eine Schenkung von 500 Mark vom langjährigen Kassier Alois Hardt bei dessen Ableben 1890. Auch Johann Zintl bedachte den Verein in seinem Testament 1891 mit 300 Mark.

Am 7. Juni 1891 durfte Kraiburgs Freiwillige Feuerwehr auf Grund ihres 20jährigen Bestehens die Bezirksversammlung ausrichten.

Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hatte schon am Anfang einige Brände zu verzeichnen. Darunter befand sich auch das Hofbauer - Anwesen Sachs, das vermutlich infolge Brandstiftung am 20. Oktober 1891 total zerstört wurde.

25 Jahre Freiwillige Feuerwehr

Sein 25 jähriges Bestehen feierte der Verein 1896 wieder ganz groß mit der Einladung von 113 Vereinen und Vertretern sämtlicher Behörden. Höhepunkt war dabei die Verleihung des Feuerwehr - Ehrenzeichens an neun Mitglieder der ersten Stunde.

So turbulent die ersten 25 Jahre für Kraiburgs Freiwillige Feuerwehr waren, die nächste Zeit um die Jahrhundertwende sollte in ruhigeren Bahnen verlaufen; ja eine gewisse Laschheit, weg vom militärischen Drill und ohne großem Engagement, machte sich im Vereinsleben breit. Dafür glichen sich erstmals seit Bestehen des Vereins Einnahmen und Ausgaben aus.

Wahrscheinlich aus diesem Grunde gab es bei der Generalversammlung 1904 wieder eine Trennung beider Ämter an der Spitze. Vorstand blieb zwar nach wie vor Josef Geist, aber in die Kommandantenstelle wurde der Schmiedemeister Johann Schraufstetter gewählt. Zwei Jahre später drückte Bürgermeister Hardt sein Bedauern aus, daß bei der Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr jener frische und rege Geist wie früher herrsche.

1907 übernahm Johann Schraufstetter die bei der Generalversammlung wieder vereinte Führungsspitze.

Zwei Jahre später konnte Kraiburg bei 1029 Einwohnern zwar 69 Feuerwehrmänner und 1200 Meter Schlauchmaterial aufweisen wie eine Statistik angibt, die Moral der Truppe hatte sich jedoch nicht gebessert. 1911 gab der Kassier Peter Hardt den "finanziell wirtschaftlichen Rückgang" des Vereins durch den Besuch von Fahnenweihen bekannt und bezeichnete derartige Ausgaben als Unfug. Hardt beantragte, die Ausgaben mehr auf nützliche Anschaffungen zu beschränken, was daraufhin eine rege Debatte mit beleidigenden Äußerungen hervorrief.

In der folgenden Sitzung überreichte der Kassier eine Aufstellung über Ausgaben, die sich auf seine Vorwürfe bezogen:

1. Bei Zellner für Bier, Brot und Speisen 64.-- Mark

2. Bei Wandinger für Bier, Brot und Speisen 21.-- Mark

3. Bei Grettinger für Bier, Brot und Speisen 9.-- Mark

4. Bei Leichenfeier für H.H. Krandauer 19.-- Mark

5. Bei Leichenfeier für H.H. Benefiziat Maier 14.-- Mark 127.-- Mark

Nun wurde der Verwaltungsrat dafür zur Verantwortung gezogen, "als ob er ganz allein der Konsument oben bezeichneter Naturalien gewesen wäre". Beleidigungen und Spötteleien folgten. An den Kommandanten kam der Vorwurf, seit seiner Vorstandschaft sei ziemlich alles aus dem Leim gegangen und es müßte das gesamte Feuerwesen in neue geordnete Bahnen geleitet werden. Nach dieser lebhaften Aussprache war die Stelle des Kassier einige Zeit vakant.

1912 wurde das Vereinsvermögen im Kassenbuch mit 8953 Mark 40 Pfennig beziffert; davon fielen auf den Inventarwert 6418 Mark 40 Pfennig

die Unterstützungskasse 2000 Mark

und die Betriebskasse 535 Mark

Während der Zeit des I. Weltkrieges ersuchte Kraiburgs Wehr am 30. 5. 1915 wieder um einen Zuschuß beim kgl. Bezirksamt Mühldorf für den Kauf von 100 Meter Schlauch zu 200 Mark und eines Hydrantenwagens um ebenfalls 200 Mark. Dabei mußte die Zahl der Löschgeräte angegeben werden, die sich nach Auskunft alle in gutem Zustand befanden:

2 Saug - und Druckspritzen 1 Saugspritze

3 Schubleitern 1 Mannschaftswagen

1 Hydrantenwagen 3 Schlauchwägen

und 500 Meter Schläuche

Von der "pflichtvergessenen Art" wie sie sich bei der Feuerwehr dieser Zeit breit machte, zeugt auch das Schreiben des Vereinsausschusses vom 25. August 1918 an den Magistrat, in dem die Fahrtverweigerung der Feuerspritze zum Brand beim Straßerbauern in Ensdorf beklagt wurde. Der Bürgermeister selbst hatte die Verpflichtung dazu, unterließ jedoch aus "wichtigem Grunde" das Einspannen. Der nächstfolgende Fahrer verweigerte dies ebenfalls. Dadurch verzögerte sich natürlich die Abfahrt, was den Brandschaden bedeutend vergrößerte. Das kgl. Bezirksamt schaltete sich in diese Angelegenheit ein und verlangte von jeder Seite eine Rechtfertigung. Auch die Feuerwehr mußte Stellung beziehen, der beschuldigte Bürgermeister verweigerte jedoch die Herausgabe des Siegels zur Beglaubigung.

Außer einigen Einsätzen ruhte das Vereinsleben während des Krieges gänzlich.

In der ersten Generalversammlung nach dem Weltkrieg am 16. April 1919 waren sieben Vereinsmitglieder zu betrauern, die "den Heldentod erlitten":

Martin Achtner, Bäckermeisterssohn

Xaver Hardt, Kaufmannssohn

Anton Hartl, Bäckermeisterssohn

Thomas Hartig, Buchbindermeister

Karl Lehmann, Spenglermeister

Johann Sedlmaier, Schuhmacher

Max Steinmaier, Bäckermeisterssohn

Bei der anschließenden Wahl wurde der bisherige Vorstand und Kommandant in seinen Ämtern bestätigt. Die neugeschaffene Stelle eines Kompanie - Kommandanten übernahm Seilermeister Hans Nennhuber.

Die Jahresversammlung 1919 des Bezirksfeuerwehrverbandes fand am 29. Juni wieder in Kraiburg beim Zellnerbräu statt. 51 von insgesamt 58 Feuerwehren waren dabei vertreten. Eine gemeinsame Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehren Kraiburg und Maximilian mit Inspizierung nahm einen guten Verlauf und fand volle Anerkennung. Für die Ausgaben dieses Tages erhielt der Verein 80.- Mark als Zuschuß.

Am 27. Mai 1920 trat Johann Schraufstetter aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern zurück. Bis zur Generalversammlung am 11. April 1921 übernahm der bisherige Kompanie - Kommandant Hans Nennhuber kommissarisch diese Aufgaben. An jenem Tag wurde Schraufstetter für seine 18jährige Tätigkeit auf allgemeinem Wunsch zum Ehrenvorstand ernannt. Die Wahl zum neuen Vorstand fiel auf den Konditor Hans Fries und die des Kommandanten auf Hans Nennhuber. Beim anschließenden Rechenschaftsbericht des Kassier taucht erstmals das jährliche Gehalt des Vereinsdieners über 40.- Mark auf.

Ein Jahr später gab es in der Kasse auch wieder einen Passivposten über 181,53 Mark, bei Einnahmen von 741,75 Mark und 923,28 Mark Ausgaben. Deshalb übernahm die Gemeinde auf Antrag der Freiwilligen Feuerwehr deren Versicherungsbeiträge und die Instandsetzung der Feuerlöschrequisiten. Der Jahresbeitrag für passive Mitglieder stieg jetzt von jährlich zwei auf fünf Mark.

Am 31. 8. 1922 brannte das Nebengebäude des Stockerbauern in Gänsberg, Gemeinde Maximilian nieder; hier war Kraiburgs Wehr nach langer Zeit wieder aktiv vertreten. Dies genügte den 70 Feuerwehrmännern, um für 1922 keine Haupt - und Schlußübung mehr abhalten zu müssen. Wen wunderte es, daß dabei das Leistungsniveau immer stärker abfiel.

Die große Weltwirtschaftskrise machte sich auch beim Jahresbeitrag bemerkbar, der für aktive Mitglieder im Januar 1923 auf 50 Mark kletterte, wofür man allerdings zu dieser Zeit gerade noch ein Ei bekam; Passive mußten gar 200 Mark bezahlen. Außerdem betrug jetzt die Verleihgebühr für die große Vereins - Trommel 1000 Mark. Im Laufe des Jahres überstürzten sich jedoch die Preise, bis im November 1923 ein U.S. Dollar als Gradmesser den Höchststand von 4,21 Billionen = 4.210.000.000.000 Papiermark erreicht hatte.

Auch der aktive Teil der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg erreichte in diesem Jahr den tiefsten Punkt seiner Geschichte. Für den am 24. Juni stattfindenden Bezirkstag war diesmal wieder der hiesige Ort ausersehen. Zu dieser Veranstaltung gehörte selbstverständlich auch die Inspektion der einheimischen Feuerwehren Kraiburg und Maximilian. Im Gegensatz zur Nachbargemeinde wurde Kraiburg dabei nicht gerade mit viel Beifall überhäuft. Der Bericht darüber an das Bezirksamt und die Marktgemeinde fiel so beschämend aus, daß er wohlweislich nicht einmal im Protokollbuch Erwähnung fand.

"Die gestrige Inspektion der freiwilligen Feuerwehr Kraiburg ergab kein befriedigendes Resultat; die Übung ließ leider ersehen, dass die freiwillige Feuerwehr Kraiburg sich nicht auf der Höhe befindet, wie man solches von einer Wehr in einem Ort von der Größe und der Bedeutung Kraiburgs mit Recht erwarten könnte.

Zunächst war auffallend, dass die Zusammensetzung der Wehr den Kreis der eigentlichen Bürgerschaft vermissen ließ, ebenso, dass die früheren Zugehörigen der Wehr, welche wegen ihrer langzeitigen Zugehörigkeit zur Wehr auch die nötige Erfahrung und Schulung besitzen, nunmehr der Wehr fernstehen.

Die Jungmannschaft zeigte ohne Zweifel guten Willen und das ernstliche Bestreben, der gestellten Aufgabe gerecht zu werden; wenn solches nicht gelang, so ist dieses zurückzuführen auf mangelnde Schulung und Ausbildung; ohne Zweifel fehlt es an den nötigen Übungen. Der Bezirksfeuerwehrvertreter Riedl berührte auch in seiner Kritik diesen Punkt und führte im Einzelnen zum Teil die Vorschriftswidrigkeiten auf, welche sich bei der Übung gezeigt hatten. Auch der Gesamteindruck, welcher die Durchführung der Übung hinterließ, war kein günstiger. Es mangelte der frische, lebhafte Zug im Ganzen, wie auch der Ernst und das Stramme, dagegen hatte man den Eindruck, dass sich mehr Gemütlichkeit, Laxheit, Langsamkeit geltend machte. Die Feuerwehr ist uniformiert und es ist nun einmal so, dass bei einer uniformierten Körperschaft ein gewisser militärischer Schliff, dann Strammheit, Exaktheit vorhanden sein muß, soll nicht der Gesamteindruck ein ungünstiger sein."

Dem Schreiben an den Marktgemeinderat lag noch ein Zusatz zur Kenntnisnahme bei:

"Es wird Veranlassung bestehen, die Angelegenheit in einer Gemeinderatssitzung zu besprechen; zweckdienlich wird sich auch der Gemeinderat mit dem Vorstand und dem Kommando der freiwilligen Feuerwehr ins benehmen setzen, bei gutem Willen und dem nötigen Ernste wird es ohne Zweifel gelingen, in bälde die Wehr wieder auf den gewünschten guten Stand wie früher zu bringen. Es wäre bedauerlich, wenn ein Ort wie Kraiburg in dieser beziehung rückständig bliebe."

Auf die Anfrage des Bezirksamtes Mühldorf über diesen Fall, gab es am 2. August folgende Stellungnahme des Gemeinderates:

".....daß in der gestrigen Gemeinderats - Sitzung beschlossen wurde, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu versuchen, die Wehr wieder auf den gewünschten guten Zustand wie früher zu bringen. Der freiwilligen Feuerwehr wird nahegelegt unentschuldigtes Fernbleiben von den Übungen mit Ordnungsstrafe zu ahnden, im Wiederholungsfalle sollen selbe aus der freiwilligen Wehr ausgeschlossen und in die Pflichtfeuerwehr überführt werden. Sollten bei der Pflichtfeuerwehr Feuerwehrmänner ohne dringenden Grund und Entschuldigung wegbleiben, so wird rücksichtslos, wie bereits in letzter Zeit geschehen, Anzeige erstattet."

Am 6. November 1923 brannte es in der Gemeinde Maximilian und zwar das Hardtgütl in der Grenzleiten. Die Kraiburger Wehr war ebenfalls beim Löschen mit dabei. Es begann nun die Zeit der großen Brände auf dem Lande, meist durch Absicht verursacht.

1924 am 28. 6. in Pietenberg, 12. 9. in Franking und 26. 9. in Kolbing;

1925 am 30. 10. beim Stenger am Brand;

1926 brannte am 28. Mai das alte Wirtshaus in Wanglbach ab.

Um einen reibungslosen Übungsablauf zu gewährleisten, probten die Pflichtfeuerwehr und die Freiwilligen von 1924 an getrennt, jedoch am selben Tag. Dazu schrieb der Gemeinderat an das Bezirksamt: "Die Durchführung der Pflichtfeuerwehrübungen begegnet von Seite der Pflichtigen großen Schwierigkeiten. Der Vorstand der freiwilligen Feuerwehr ersucht deshalb, daß zur Unterstützung des Bürgermeisters und Polizeidieners bei den jeweiligen Übungen ein Mann der hiesigen Gendarmeriestation abkommandiert wird."

Die Motorisierung hatte auch bei den Löschmaschinen nicht halt gemacht. Kraiburg wollte dieser Neuerung nicht entgegenstehen und stellte am 9. März 1925 aus kommunalen Verbandsmitteln 1000 Mark zur Anschaffung einer Motorspritze bereit. Gedacht war an eine "Magirus" mit 250 Liter - Leistung pro Minute. Als dann am 5. Mai das Bayerische Staatsministerium für deren Anschaffung auch noch 1500 Mark genehmigte, verzichteten Gemeinde und Feuerwehr überraschenderweise auf deren Kauf , "....weil eine Motorspritze für den hiesigen Gemeindebezirk und einen Teil der Gemeinde Maximilian gar keinen praktischen Wert hat... ." Dafür wurde das Pumpwerk mit fast 20 atü wieder auf den neuesten Stand gebracht.

In diesem Jahr gründete der Verein eine Sterbekasse für seine Mitglieder.

1927 fand in der Brauerei Zellner wieder der Bezirksfeuerwehrtag mit 58 Vereinen und einer anschließenden Inspektion der Feuerwehren Kraiburgs und Maximilians statt. Vor allem Kraiburg zeigte diesmal "ein erfreuliches Bild von dem Fortschritt, den das Corps seit der letzten Inspektion gemacht hat. Anerkennung an den Kommandanten Nennhuber, daß er in der kurzen Zeit die "Scharte" vom Jahre 1924 ausgewetzt hat."

Ab Frühjahr 1928 gab es Führerkurse für die dem Markt zugeteilten Feuerwehren. Leiter der Schulung war der vom Landesfeuerwehrverband ausgebildete Franz Gruber.

Im Gegensatz zu heute waren damals die Feuerwehrmänner noch nicht zu allem bereit, denn daß sie im Sommer 1928 den Marktplatz wegen der Staubplage spritzen sollten, lehnten sie entschieden ab, da es Sache der Gemeinde sei.

1929/30 gab es für die 92 aktiven Mitglieder wieder mehrere Brandeinsätze:

am 28. 3. 29 beim Mesner Brandl in Maximilian,

am 29. 6. 29 Zimmerbrand im Schuhgeschäft Thalhammer,

am 5. 1. 30 Brand im Waschhaus des Glaswarengeschäftes Johann Weiß und

am 1. 2. 30 brach in der Werkstätte Rauscher Feuer aus. Bei diesem Einsatz wurde durch die Schlauchhaspel dem Feuerwehrmann Michael Hartl ein Finger abgerissen.

Am 20. 4. 30 zerstörte ein Feuer das Sägewerk Fischer an der Bruckmühle und

am 8. 7. 30 verbrannten in der Werkstatt des Max Rauscher zwei Autos.

Die vielen Brände bewiesen, daß die Bevölkerung wieder besser auf die Gefahren im Umgang mit Feuer und leicht brennbare Stoffe hingewiesen werden mußte. Aus diesem Grunde veranstaltete man Feuerschutzwochen. Kraiburg lernte daraus und kaufte sich einen großen Schaumlöscher für kleinere Brände, zu dem die Magdeburger Feuerversicherung 100 Mark beisteuerte. Auch die Anschaffung von Rauchmasken wurde erwogen und Erkundigungen eingezogen. Die Zahl der feuerwehreigenen Schläuche nahm allerdings stetig ab, da sie sich hervorragend zum Speisen der Dreschmaschinen eigneten; eine Kennzeichnung war deshalb unumgänglich.

1931 gab es auswärtige Brände u. a. in Taufkirchen und Lafering. Dabei gab es das Problem, daß man die Brandplätze nicht immer sofort kannte. Feuerwehrmänner mit Motorrädern sollten in diesem Fall ausschwärmen und deren Lage erkundigen. Ausersehen waren dazu die Herren Anton Auer, Raimund Diener, Franz Wandinger und Franz Hechfellner.

Die Serie der Brände riß auch 1932 nicht ab. So stand am 29. 2. in Reiching der Holzstadel des Peter Hardt in Flammen und am 7. 9. die Kiefinger - Leiten; das Bollner - Anwesen in Schnaudenberg folgte am 21. 10.

Im April 1932 beriet der Vereinsausschuß über das Schreiben des Bezirksamtes wegen der Anschaffung einer Motorspritze zu Lasten und im Interesse der umliegenden Gemeinden Pürten, Aschau , Maximilian, Fraham, Taufkirchen, Zeiling, Guttenburg und Peterskirchen. Die Freiwillige Feuerwehr Kraiburg bekundete ihre Bereitwilligkeit zur Stationierung, Bedienung und Versorgung der Motorspritze, wobei sie jedoch auf zwei Rädern fahrbar sein sollte.

Als soziale Komponente gab es bei der Feuerwehrbewegung neben einer Sterbe - und Unterstützungskasse nun auch noch Feuerwehrheime für erholungsbedürftige Mitglieder. Das nächstliegende befand sich in Reichenhall.

1933 - 1945

Der Jahresbericht konnte für 1933, nach stetig steigender Tendenz, über die Mitgliederzahl von 100 Aktiven berichten. Am Ende dieses Jahres verstarb der langjährige Vorstand Hans Fries. Er mußte nicht mehr mit ansehen, wie sich die totalitäre Politik des Dritten Reiches in seinen auf Hilfeleistung ausgerichteten Verein hineindrängte und veränderte.

Bis zur Generalversammlung am 29. Januar 1934 übernahm Kommandant Nennhuber kommissarisch zusätzlich das Amt des Vorstandes. Dies blieb er dann auch weiterhin.. Des weiteren wurden gewählt: Peter Hardt als Kassier, Ludwig Lang für die Schriftführung und Sebastian Kindl als Zeugwart. Zur Nachfolge Nennhubers als Kommandant bestimmte dieser - nach neuesten Regeln - den in Feuerwehrangelegenheiten bewährten Franz Gruber, der wiederum die weiteren Dienstgrade ernannte. Abschließend hielt der Ortsgruppenleiter eine Rede, in der er den Mitgliedern die neue Linie darlegte.

"Wie im ganzen Reich ein neuer Geist eingezogen sei, so müsse auch bei den Feuerwehren der neue S. A. Geist zum Durchbruch kommen. Das sei der Geist der Kameradschaft im Sinne des Führerprinzips. Ein Hauptaugenmerk sei auf die Schlagkraft des Corps zu legen, damit möglichst viel Volksgut gerettet werden kann. Auch im Sanitätswesen sei manches verbesserungsbedürftig. Es sollten immer mehrere Feuerwehrmänner im Sanitätsdienst gut ausgebildet sein, daß im Ernstfalle bei einem Brand stets ein fachkundiger Sanitäter zur Hand sei."

"Mit einem begeistert aufgenommenen "Sieg Heil" schloß" - laut Protokollbuch - "der Herr Ortsgruppenleiter seine Ansprache."

Da neue Besen bekanntlich gut fegen, gab es gleich zu Anfang einen Antrag an die Gemeinde, innerhalb von vier Wochen den Hydranten bei Oberbauer zu reparieren, nachdem er schon zwei Jahre lang außer Betrieb wäre. Außerdem sollte der Marktbrunnen vor jeder Übung gesäubert werden, da sonst ein Reinigen der Schläuche nach der Übung unmöglich sei. Später wusch man die Schläuche allerdings im Schleiferbach, weil sie im Marktbrunnen zu sehr abknicken.

Am 1. Februar trat ein neues "Exerzierreglement" in Kraft, das unter anderem das dreimalige unentschuldigte Fehlen mit der Überweisung zur Pflichtfeuerwehr bestrafte, die Aufstellung nach der Größe vorschrieb und wegen des Gleichschritts beim Marschieren ein harter Boden zu wählen sei.

1934 nahm zwar die Mitgliederzahl der Aktiven wieder ab, jedoch nicht die Zahl der auswärtigen Brandeinsätze.

Mit Wirkung vom 1. Februar 1935 wurde die Gemeinde Maximilian mit Kraiburg vereint. Damit gab es auch für das ganze Gebiet nur mehr eine Pflichtfeuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr Maximilian konnte dagegen noch ein Jahr lang ihre Selbständigkeit bewahren. Am 17. Januar 1936 gab dann der Landesbranddirektor folgende Anordnung:

"Auf Grund der Verfügung vom 30. 11. 35 wurden die in der Gemeinde bestehenden selbständigen Freiwilligen Feuerwehren mit Wirkung vom 1. 1. 36 an in das diesseitige Grundbuch mit dem Namen eingetragen:

"Freiwillige Feuerwehr Kraiburg, BA Mühldorf, mit den Abteilungen Kraiburg und Maximilian."

Am Gerätestand der Abteilung und dessen Unterbringung ändert sich nichts, auch nicht in den Rechten der Mitglieder. Die Verwaltungsdienstgrade der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg und der Zeugmeister der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr Maximilian bleiben im Amt. Der Kommandant der nunmehrigen Abteilung Maximilian führt die Dienstbezeichnung "Abteilungsführer". Die Verwaltungsdienstgrade ( Vorstand, Schriftführung und Kassier ) der bisherigen selbständigen Feuerwehr Maximilian sind mit dem 31. 12. 35 aus dem Amt ausgeschieden und haben die Akten der Führung der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg übergeben."

Beide Wehren umfaßten nun zusammen 156 Mann. Das erforderte eine neue Aufteilung. Aus den 3 Kompanien der Feuerwehr Kraiburg bildete man 2 Löschzüge und die Feuerwehr Maximilian wurde 3. Löschzug mit Alois Praßl als Zugführer. Aus Kraiburg lagerte man jetzt eine Löschmaschine nach Maximilian aus, da ihre eigene Spritze, bei Sachs stationiert, allein nicht mehr ausreichte.

Die erste gemeinsame Generalversammlung begann mit "Heil Hitler" und endete mit der Abnahme "eines freudigen Treuegelöbnisses zum Führer".

Neben den traditionellen Aufgaben sollte laut Vortrag in Zukunft auch der Luftschutz ein wichtiges Arbeitsgebiet der Feuerwehren sein. Diese Einbeziehung zeigt schon 1936, daß man einen späteren Krieg einplante.

Durch die Initiative des Kommandanten Gruber war es möglich, daß die Feuerwehr eine gebrauchte fahrbare Magirus - 12 PS - Motorspritze um den günstigen Preis von 800.-- Mark bekam. Sie "lieferte zum Beispiel vom Reichinger Wehr zum Mädchenschulhaus - eine schöne Steigung von cirka 180 m Länge - einen noch äußerst starken haushoch reichenden Strahl." Leider erfüllte die Spritze nicht die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, so daß die Gemeinde schon zwei Jahre später eine neue trag- und fahrbare Motorspritze kaufte. Die Firma Schmelcher aus Simbach lieferte sie um den Preis von 4422.58 RM, wozu das Staatsministerium einen Zuschuß von 1400.-- RM beisteuerte. Diese Spritze hatte nun wirklich alle Voraussetzungen, die eine leistungsfähige Wehr vor allem in den kommenden Kriegsjahren brauchte.

Einmal allerdings, beim Brand im Wienerhäusl, dem heutigen Loipführer, am 14. Juni 1939 versagte auch sie. Die Freiwillige Feuerwehr Kraiburg und ihr neugeschulter Brandmeister waren zwar mit ihrer Motorspritze schnell zur Stelle, aber trotz reichlichem Wasser sprang der Motor nicht an. Auch pausenlose Versuche anwesender Mechaniker nützten nichts. Inzwischen kam aus Kolbing die ehemalige Maximilianer Saug- und Druckspritze, die sofort zu löschen begann. Als das Haus größtenteils ab- und ausgebrannt war, "besann sich auch der Motor auf seine Pflicht und begann zu arbeiten".

Alle Einwohner von Kraiburg, welche nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr dienten, mußten ab März 1937 an die Gemeinde eine Feuerwehrabgabe zahlen. Vom Bezirkstag kam die Anordnung, daß während der Erntezeit - 1. Juni bis 15. September - keine Feuerwehrübungen abzuhalten sind.


In der Ausschußsitzung am 18. 1. 1938 gab es den Vorschlag, neben der vorhandenen Standarte noch eine Fahne zu beschaffen. Diese Anregung fand jedoch keine Gegenliebe.

Kein Jahr später, am 28. November wurden alle Vereine durch ein Reichsgesetz aufgelöst. Davon betroffen waren auch die Freiwilligen Feuerwehren als Vereine mit den übergeordneten Feuerwehrverbänden auf Landes- und Bezirksebene. Wie zu erwarten, mußte daraufhin das Vereinsvermögen, gegen eine Bestätigung, der Gemeindeverwaltung übergeben werden. Von nun an standen die Feuerwehren unter staatlicher Aufsicht.

Im September 1939, nach dem Ausbruch des II. Weltkrieges, hielt der ehemalige Kommandant und jetzige "Führer der Wehr" vor versammelter Mannschaft folgende Rede, die wir heute - 50 Jahre nach dem Ende dieses Wahnsinns - in einem anderen Licht sehen:

"Unsere alten Feinde vom Weltkrieg konnten den Wiederaufstieg Deutschlands nicht mit ansehen, besonders England als Kopf der Verschwöhrung, hat alle Bemühungen, die Differenzen mit Polen auf friedlichem Wege zu lösen, ausgeschlossen und uns am 1. September 1939 den Krieg erklärt. Frankreich natürlich auch....."

Viele Kameraden mußten jetzt einrücken; so der Führer des 1. Löschzuges Franz Wandinger, der Kassenwart Franz Oberwesterberger, der Maschinist der neuen Motorspritze Alois Lobentanzer und sein Stellvertreter Peter Eigelsperger, Sanitätsmann Albert Betz, Heinrich Eder, Peter Rosenberger, Hans Mayerhofer, Josef Gebhardt, Andreas Eckart, Alfons Eckart, Alois Schuster, Thomas Hartig, Karl Hierl, Franz Fischer, Josef und Peter Fischer, Peter Haider, Josef Suittenpointner und Josef Vogesser.

Um das deutsche Volk zu retten, lieferte die Abteilung Maximilian ihre elf alten Messingkupplungen mit 19 kg Gesamtgewicht 1940 bei der Metallsammlung ab.

Der Abgang der Aktiven zur Wehrmacht - bis Kriegsende kamen noch mehr dazu - riß bei der Feuerwehr große Lücken auf, die durch ältere Kameraden und der Hitlerjugend notdürftig geschlossen wurden. Zu alledem eilte das folgende Jahr - so als wollte sich der Himmel rächen - von einer Katastrophe zur andern. Noch nie war die Freiwillige Feuerwehr so oft gegen Naturgewalten im Einsatz wie 1940. Ein besonders schneereicher Winter mit verwehten Straßen und Bächen verlangte am 17. Februar die Aufbietung aller Kräfte. 45 Feuerwehrmänner schaufelten fünf Stunden lang das Bachbett des Wildbaches aus, das stellenweise 3 Meter hoch bedeckt war, um Stauungen zu verhindern.

Am 8. März brannte eine Baustelle am Bahnhof Kraiburg, wobei zu allem Unglück die Spritze wegen eingefrorener Wasserleitungen nicht eingesetzt werden konnte.

Acht Tage später wütete ein Sturm, "wie ihn noch nie jemand erlebt hatte". Zahlreiche Schäden an Hausdächern erforderten wiederum den Einsatz der Wehr.

"Am 31. Mai gab es nach tagelangem starken Regen Hochwasser. Um nicht abzutriften, mußten die Kabinen im Schwimmbad am Inn verankert werden. Dabei fand Anton Talhammer besondere Anerkennung, der nackt im eiskalten Wasser stehend die Drahtseile befestigte. Auch der Wildbach stieg so stark an, daß die Esterbauerbrücke abgetragen werden mußte. Bald konnte das Bachbett die Wassermassen nicht mehr fassen und überflutete die Straße und angrenzende Läden." Besonders bei Lohmeier war schnelle Hilfe nötig, der 100 Zentner Zucker als kostbares Volksgut im Laden lagerte. Anderntags kamen die Fluten des Inns, wobei die Feuerwehr wieder helfend eingriff, um mit den gefährdeten Bewohnern noch schnell das Nötigste zu retten. Nach zwei Tagen konnten dann deren Keller leergepumpt werden.

Da jederzeit mit Fliegeralarm und Brandbombeneinsatz zu rechnen war, stellte die Feuerwehr auf Anordnung des Bürgermeisters je eine Gruppe Sicherheits- und Hilfsdienste aus ihren Reihen zusammen.

1941 wurde auch der "Führer der Wehr" Franz Gruber abgezogen und in das neugebildete Feuerwehr - Regiment I überstellt.

Am 6. 11. 41 brach im Rathaus Feuer aus, das den ganzen hinteren Teil zerstörte. Der Funkenflug reichte dabei bis zum Keferberg und nur der tags zuvor gefallene Schnee sowie das beherzte Eingreifen der Feuerwehr verhinderte eine Katastrophe.

Das Vereinsleben war inzwischen zum Erliegen gekommen, lediglich am 14. 2. 43 fand noch eine Ausschußsitzung statt, bei der man der elf gefallenen Kameraden gedachte. Appelle, Hauptübungen und Luftschutz - Schulungsabende prägten jetzt die Freizeit der Feuerwehrmänner. Die Hitlerjungen bildeten nun eine eigene Gruppe innerhalb der Wehr. Auch für die Pflichtfeuerwehr gab es eine Neuaufstellung, da man die Friedensstärke wieder erreichen wollte.

Am 9. September 1943 fand nach einem Fliegerangriff vom Vortag für Kraiburgs Wehr im 80 Kilometer entfernten München der erste Einsatz statt. Um 12.45 Uhr traf die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg durch den Kreisführer ein. Die Abfahrt erfolgte schon eine Stunde später mit 10 Mann auf 3 offenen Lastwägen vom Preintner. Ankunft in München-Sendling um 16.45 Uhr; Einsatzbefehl um 18.00 Uhr in der Poschetsrieder und Passauer Straße. Ende der Löscharbeiten 23.00 Uhr; Ankunft in Kraiburg nach 14stündiger Abwesenheit um 4.00 Uhr am nächsten Tag.

Kraiburg lag in einer Einflugschneise feindlicher Flieger, die den Ort in großer Höhe überflogen. Dies führte auch immer wieder zu Luftkämpfen in unserem Raum. Die Feuerwehr hatte dann als Landwachtdienst die abgestürzten Flieger zu stellen. Dazu mußten täglich 2 Mann 2 Stunden lang auf der Innbrücke Posten stehen.

Am 22. April 1944 brannte das ehemalige Festspielhaus.

Bei einer erneuten Bombardierung Münchens am 26. April 1944 waren 12 Kraiburger Feuerwehrmänner 49 Stunden lang mit ihrer tragbaren Spritze im Einsatz.

Nochmals vom 12. - 14. Juli 30 Stunden lang,

am 16. und 17. Juli 20 Stunden,

vom 29. - 31. Oktober 45 Stunden,

am 27. und 28. November 19 Stunden und

am 8. und 9. Januar 1945 32 Stunden.

Die Einsatzprotokolle aus der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung führen uns Wahnsinn, Leid und Elend jener Zeit vor Augen und machen uns heute noch nachdenklich.

"Überall Brände, Splitter und Trümmer auf den Straßen, die ganze Stadt voller Staub und Rauch, so daß man ohne Brille kaum sehen kann." Wassermangel herrschte durch kaputte Rohrleitungen. Da von allen Seiten zum Kochen und Waschen um Wasser gebeten wurde, erfolgte über Behälter eine Speisung aus dem Reservoir. Aus brennenden Häusern wurden so lange wie möglich die wichtigsten Sachen in Sicherheit gebracht. "Ein großes vierstöckiges Haus gerettet - dazwischen immer wieder Fliegeralarm - Terrorangriff - wir mußten in den nächstgelegenen Bunker......."

Die Einsätze erfolgten stets mit der tragbaren Motorspritze und etwa 9 Mann mit einem Führer. Wegen der vielen Glassplitter mußte auf die Schläuche achtgegeben werden. Verletzungen der Hände waren dabei fast unvermeidbar.

25. Januar 1945, Alarm in Kraiburg! Eine Frau hatte durch leichtsinniges Füllen eines Sägemehlofens den Brand verursacht. Wegen der Feindflieger drängte alles auf rasche Brandbekämpfung.

Am 25. Februar gab es mindestens 600 Feindflüge über Kraiburg und am 2. März zwischen 11.00 und 14.00 Uhr an die 300.

Beim Bombenangriff auf Mühldorf am Josefitag 1945 flog der Feind ebenfalls durch unseren Luftraum, so daß man ihren Flug bis zum Ziel verfolgen konnte. Sofort nach Ende der Bombardierung um 14.30 Uhr war Kraiburgs Wehr zur Stelle. Wassermangel durch zerstörte Leitungen erschwerte jedoch deren Hilfe. Am 20. März um 22.00 Uhr kehrten die Männer übermüdet nach Kraiburg zurück und wurden durch eine zweite Gruppe abgelöst, die wiederum bis 22. März 6.00 Uhr am Ort der Zerstörung und des Grauens blieb. Dazwischen gab es immer wieder Alarm, was die Rettungsarbeiten sehr erschwerte. Gefährlich aber waren vor allem Blindgänger und einstürzende Mauerreste.

Die nächsten zwei Sonntage fanden dann in der Kreisstadt Hilfs- und Aufräumungseinsätze der Feuerwehren statt.

Kurz vor Kriegsende am 11. April wurde noch die Deutsche Sprengchemie Werk Kraiburg von ca. 130 Fliegern bombardiert. Dabei gab es sehr viele Tote. Durch die Druckwellen gingen noch in Kraiburg Fensterscheiben zu Bruch. Von einem Einsatz blieb die Wehr jedoch verschont, dafür gab es immer wieder Alarm und Bereitschaftsdienst.

Zu den letzten Kriegshandlungen in Kraiburg zählte die Sprengung der Innbrücke durch die "SS" am 2. Mai 1945 um 11.00 Uhr. Diese Wahnsinnstat konnte die anrückenden Amerikaner jedoch nicht mehr aufhalten. Einen Tag später rollten ab 9.30 Uhr ihre Panzer aus Richtung Jettenbach durch die "Schlüpf" nach Kraiburg. Hausdurchsuchungen folgten. Dabei vernichteten die Soldaten Uniformen und Helme der Feuerwehr als vermeintliche Ausrüstungen der SS; alte blankpolierte Messinghelme mußten mit schwarzer Farbe bemalt werden.

Da die Autos der "Amis" vom schlechten Weg über die "Schlüpf" sehr verschmutzt waren, wurden die Feuerwehrmänner Esterbauer und Geist verpflichtet, mit ihrer Motorspritze vom 8. bis 29. Mai sämtliche Autos bei Bedarf zu waschen. Zur Unterhaltung ließen sich auch die Amerikaner gern eine Feuerwehrübung vorführen und lachten, wenn durch die stark beschädigten Schläuche Wasser spritzte. Zu einem Brand durfte die Feuerwehr in Sperrzeiten nur mit weißen Tüchern. So auch am 7. Juni, als der Kohlenhaufen im Oberbauer-Stadel (Hardt) glimmte.

Nachkriegszeit

Langsam normalisierte sich der Alltag und das Vereinsleben wieder. Man wollte die vergangenen Jahre schnell vergessen und damalige Entscheidungen rückgängig machen. So war es nicht verwunderlich, daß bei der ersten Nachkriegsausschußsitzung am 14. Juli 1945 die Maxloner ihren Austritt aus Kraiburgs Freiwilliger Feuerwehr erklärten und wie vor 1936 einen selbständigen Verein bildeten. Nur die Männer des geschlossenes Ortsbereiches, der Schützenau und die Bergbauern blieben bei Kraiburg.

Jetzt waren die Kraiburger Bürger - wenn auch in stark reduzierter Anzahl - wieder unter sich; entsprechend fiel die Wahl zur Vorstandschaft am 28. August 1945 aus:

Vorstand Hans Schraufstetter, Schmiedemeister

Kommandant Franz Gruber, Wagnermeister; er durfte jedoch als ehemaliger "Führer der Wehr" dieses Amt auf Anordnung der Militärkommandantur nicht wieder antreten, worauf Alois Lobentanzer dessen Stelle übernahm

Adjutant Franz Wandinger, Gastwirt

Kassier Alois Schuster, Messerschmied

Schriftführer Josef Geist, Ingenieur

Zeugwart Sebastian Kindl, Schlossermeister

Bekleidungswart Peter Eigelsperger, Schneidermeister

Fähnrich Jakob Zellner, Landwirt und als

Zugführer Hans Schmidt, Spenglermeister, Xaver Fröhler, Friseurmeister, Thomas Hartig, Buchbindermeister, Hans Wandinger, Konditor, Ignaz Diener, Elektromeister, Ludwig Dobmeier, Schlossermeister, Anton Seeger, Schlosser.

Auch die Pflichtfeuerwehr blieb weiterhin bestehen, um gegenüber allen jungen Männern, die sich nicht zur Freiwilligen Feuerwehr meldeten, ein gesetzliches Mittel in Händen zu haben.

Schraufstetter entdeckte auf der Unterbräuwiese einen liegengebliebenen Sanitätswagen. Nach dessen provisorischer Reparatur diente er der Feuerwehr als Transportwagen, um den sie sogar von den Mühldorfern beneidet wurden.

Die ersten Nachkriegsjahre waren wieder ausgefüllt mit Gemeinschaftsübungen der Freiwilligen Feuerwehr und Verpflichteten, Hochwassereinsätzen wie 1946, einschließlich Auspumpen der gefluteten Keller und vor allem mit Einsätzen bei der Brandbekämpfung.

1946: Zimmerbrand im Wesner - Haus und erneute Selbstentzündung des Kohlenlagers im Oberbauer - Stadel

1947: Brand bei Osenstetter

1948: Ostersonntag, Waldbrand in der Nähe des Munitionslagers; Brand bei Schechtl in Wanglbach sowie ein Waldbrand beim Steinlager. An der Brandstätte bei Gramersberger gab es zwar eine Menge Helfer, doch diese machten laut Protokoll vieles falsch, da sie selten die Übungen besuchten. Auch das schlechte Schlauchmaterial wurde bemängelt. Das Feuer verursachte übrigens dieselbe Frau und leichtsinnigerweise wieder mit einem Sägemehlofen, wie schon 3 Jahre zuvor während des Krieges.

1949: Brand des Dachstuhles im Benefiziatenhaus. Auch hier war Leichtsinn die Ursache, da glühende Asche unter hängenden Kleidern abgestellt wurde.

Es geht aufwärts

Nach 11 ½ jähriger Pause fand am 4. Oktober 1949 wieder eine Generalversammlung statt. Auf allgemeinem Wunsch hin kandidierte Franz Gruber für die Wahl zum Kommandanten, die mit 64 von 73 Stimmen zu seinen Gunsten ausfiel. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden erneut bestätigt.

1949 ging man auch daran, das kaputte Schlauchmaterial zu ergänzen. Um das nötige Kapital für den Unterhalt der Feuerwehren und deren Neuanschaffungen zu erhalten, wurde die Feuerschutzabgabe erneuert. Der Beitrag für Aktive betrug jetzt 50 Pfennig und für Hausbesitzer und passive Mitglieder 1 Mark. Eine weitere Einnahmequelle bildeten nun Christbaumfeiern und Feuerwehrbälle mit 1,20 Mark Eintritt und Garderobegeld.

Die Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Mühldorf wurde wegen der hohen Gebühr von 40 Mark bis heute nicht beantragt. Dafür hatte die Feuerwehr den Kauf von Schutzanzügen im Auge - Preis ca. 30 Mark pro Stück. Zeugwart Kindl besorgte sich auch einen Apparat zum Vulkanisieren der kaputten Schläuche.

Um die hervorragende Schlagkraft früherer Zeiten wieder herzustellen, wurden pro Jahr 6 Haupt-, 8 Einzel- und 10 Motorspritzenübungen angesetzt. Das Bestreben war, Kraiburg als Stützpunktfeuerwehr für den südlichen Landkreis auszubauen.

Die Alarmierung sollte so schnell wie möglich über ein Sirenensignal, bei Stromausfall mit Glocken und Knallhorn erfolgen. Der Großalarm sah den Anruf beim Kreisbrandinspektor in Mühldorf vor. Außerdem hingen jetzt die Telefonnummern der benachbarten Feuerwehren aus.

Bei der Generalversammlung am 14. Juni 1952 übernahm Xaver Fröhler den Posten des am 24. Mai verstorbenen Kommandanten Franz Gruber, der durch sein Wissen und seine Tatkraft eine Lücke hinterließ.

Im Mai 1953 gab die gute alte Motorspritze bei einer Großübung ihren Geist auf. 15 Jahre lang pumpte sie unter oft extremen Bedingungen. Eine Reparatur war jedoch nicht mehr sinnvoll, so daß sich die Marktgemeinde nach langem Hin und Her zum Kauf eines neuen Löschfahrzeuges entschied. Zur Überbrückung bekam die Kraiburger Wehr von Mühldorf eine tragbare Motorspritze zur Verfügung gestellt.

Im Juni gab es Hochwasser in Aschau, bei dem 6 Kraiburger Hilfe leisteten. Am 29. November brannte es bei Vogesser am Keferberg, 5 Nachbarfeuerwehren waren dabei ebenfalls anwesend.

1954 traten am 8. Juli Inn und Wildbach erneut über die Ufer. Helfer in der Not war auch hier wieder die Freiwillige Feuerwehr.

Eine Woche später, am 14. Juli, traf abends 18.00 Uhr das langerwartete Löschfahrzeug vor dem Rathaus ein und wurde gleich von der Bevölkerung bestaunt. Ein 1 3/4 Tonner Opel Blitz LF 8 modernster Bauart mit eingebauter Tragkraftspritze TS 8 von der Firma Metz, Karlsruhe, die 1200 - 1600 Liter in der Minute leistete. Der Preis hierfür betrug einschließlich Ausrüstung 24 221,25 DM, wobei 6 000.-- DM an Zuschüssen die Regierung von Oberbayern gewährte und 8 000.-- DM der Kreis Mühldorf.

Die feierliche Übergabe an die Freiwillige Feuerwehr erfolgte dann am Sonntag, den 26. September durch den Gemeinderat bei großer Anteilnahme der Prominenz aus dem ganzen Landkreis, befreundeter Feuerwehren und der hiesigen Bevölkerung. Der anwesende Landrat Weggartner bezeichnete die Anschaffung in seiner Rede als einen Markstein in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg. Die kirchliche Segnung des Fahrzeugs erfolgte durch H.H. Kaplan Oster, wobei die Kameraden der Wehr mit ihrer Standarte zu beiden Seiten Aufstellung genommen hatten. Bei der anschließenden Einsatzübung nahm man den Gasthof "Deutsches Haus", den Pfarrhof und das Kaufhaus Hardt als Brandobjekt an. Eine Feier im geschmückten Wandingersaal mit Festansprachen beendete den Freudentag. Ein Jahr nach dem letzten Hochwasser - auf den Tag genau am 8. Juli 1955 - ereilte Kraiburg erneut dieses Schicksal. Diesmal kam die Gefahr Gottseidank nur vom Wildbach, aber in so gewaltigen Wassermassen, daß die Uferbebauung ausgerissen wurde. 6 Stunden lang arbeiteten die Feuerwehren von Kraiburg, Maximilian und Pürten unter schwersten Bedingungen.

Die Hilfsbereitschaft der Feuerwehr erstreckte sich nicht nur auf Katastrophen und Brandeinsätze, die jetzt dank der neuen TS 8 wirkungsvoller war; auch die Unfälle der beginnenden Massenmotorisierung wurden nun zu einem neuen Betätigungsfeld. Der erste Einsatz dieser Art dürfte am 27. Januar 1956 gewesen sein, als der Feuerwehrkamerad Anton Thalhammer mit seinem Auto das Brückengeländer des Inns durchstieß und in den Fluß stürzte.

Das 85jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg nahm man zum Anlaß, das Feuerwehrhaus zu renovieren und mit einem Kameradschaftsabend - unter Beisein von Landrat Weggartner- des Jubiläums zu gedenken.

Bei der Generalversammlung 1957 lobte der anwesende Kreisbrandinspektor Kraiburgs Wehr; er hoffe, daß der vorbildliche Geist auch in Zukunft erhalten bleibe. Die anschließende Wahl bestätigte die Vorstandschaft in ihren Ämtern für weitere 5 Jahre. Doch schon nach 4 Monaten starb Hans Schraufstetter. Als Vorstand hatte er Kraiburgs Wehr aus den Tiefen der Nachkriegszeit zu neuer Anerkennung geführt. Zu dessen Nachfolger wählte die Feuerwehr am 16. März 1958 Franz Wagner aus der Schützenau. Höhepunkte seiner Vorstandschaft waren zwei Vereinsfeste, wie sie Kraiburg bisher noch nie gesehen hatte. Doch stand nicht nur Geselligkeit im Mittelpunkt, Übungen und harte Arbeit brachten Kraiburgs Löschgruppen Anerkennung und verdiente Auszeichnungen.

Als technische Neuerung bekam die Wehr 1960 eine Anhängeleiter, zweiteilig mit 12 Meter Steighöhe, von der Firma Metz in Karlsruhe. Der Preis von 4830.--DM wurde durch Zuschüsse des Staates, des Kreises und der Brandversicherungsanstalt, den Verkauf alter Leitern und der Übernahme des Restes durch den Markt gedeckt. Bei der ersten Aufstellung dieses Ungetüms wäre fast ein Unglück geschehen, als das Verlängerungsstück mit voller Wucht heruntersauste, aber nur den Fuß des Kommandanten Fröhler streifte.

1962 knüpfte unsere Wehr mit der österreichischen Feuerwehr aus Ybbs an der Donau Freundschaftsbande, die sich mit deren Besuch in Kraiburg und einem Gegenbesuch festigten.

Ein anstrengendes Wochenende brachte die Unwetterkatastrophe vom 29. August 1964. Im E-Werk der Firma Diener standen die Dieselaggregate unter Wasser und lieferten keinen Strom mehr; die Gullys waren alle verstopft und die Keller mußten ausgepumpt werden, so daß der Einsatz bis spät in die Nacht ging. Sonntag und Montag half die Wehr ihrem Kameraden Sepp Froschmayer, das zertrümmerte Zelt auf dem Mühldorfer Volksfestplatz wieder aufzustellen und den Festbetrieb in Ordnung zu bringen.

Die Feuerwehr konnte sich auch sonst nicht über mangelnde Einsätze beklagen. Mögen auch Brände durch verstärkten Feuerschutz und weniger Leichtsinn abgenommen haben, die Hilfsbereitschaft unserer Feuerwehr war nach wie vor gefragt. Als "Mädchen für Alles" reinigte sie den Kanal und das Schwimmbad, sprengte in Trockenperioden Blumenbeete, Friedhof und Sportplatzrasen, wuschen den Kirchturm mit ihrer Spritze ab oder waren bei Verkehrsregelung oder Unfallhilfe tätig.

Am 23. Oktober 1964 trat der bisherige Kommandant Xaver Fröhler aus Gesundheitsgründen zurück; die Nachfolge übernahm der Malermeister Heinrich Eder jun.. Zu seinem Stellvertreter wurde Toni Hinterholzner gewählt. Innerhalb kurzer Zeit schaffte es der neue Kommandant mit der 1. Löschgruppe, das Leistungsabzeichen in Bronze zu erlangen. Teilnehmer waren neben Heinrich Eder: Toni Hinterholzner, Anton Ernst, Rudolf Prinz, Bernhard Eckbauer, Georg Ober, Otto Schlagmann, Hans Maier und Sepp Froschmayer. 1967 folgte die 2. und 1969 die dritte Löschgruppe.

Um eine reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Feuerwehren zu erzielen, gab es jährlich eine Großübung. 1966 war dafür Kraiburg verantwortlich und erklärte das Sachs - Anwesen in Kolbing als Brandobjekt. 11 Wehren aus den Kreisen Mühldorf und Wasserburg mit insgesamt 150 Mann waren dem Alarm gefolgt. Das Wasser zur "Brandbekämpfung" mußten die Löschmannschaften mit einer Schlauchleitung aus dem 800 Meter entfernten Wildbach befördern, wofür sie immerhin 40 Minuten benötigten. Eine kostbare Zeit, die auf die Notwendigkeit einer zentralen Wasserversorgung hinwies.

Schon am 11. Mai 1968 konnte diese bei der Frühjahrs-Hauptübung getestet werden. Brandobjekt war diesmal die Marktpfarrkirche, die dank der anwesenden 10 Feuerwehren aus Kraiburgs Umgebung und der neuen Wasserversorgung "gelöscht" werden konnte. Damit hatte das alte Wasserpumpwerk ausgedient, obwohl man es erst 1962 auf den neuesten Stand brachte.

In das Kraiburger Gerätehaus zog im April 1968 auch die Feuerwehr Maximilian mit ihrem Fahrzeug ein, da sie selbst über keinen geeigneten Raum mehr verfügte. In einer 243 stündigen Gemeinschaftsarbeit bauten nun die Mannschaften eine Waschanlage in das Gebäude, um sich das aufwendige Reinigen der Schläuche zu erleichtern.

Mit neuer Fahne in die Zukunft

1967 befaßte sich der Verein in einer Ausschußsitzung erstmals mit dem Kauf einer neuen Fahne, dies mußte aber aus Kostengründen zurückgestellt werden. Die alte Standarte aus dem Gründungsjahr 1871 - neben der von Maximilian eines der wenigen noch vorhandenen Exemplare - war bei der 100-Jahrfeier in Neumarkt aus dem Leim gegangen. So gab es ein Jahr später dann doch noch einen zustimmenden Beschluß.

Von nun an drehte sich im Verein alles um die Beschaffung einer würdigen Fahne und deren Weihe. Ein Festausschuß wurde gebildet, Angebote eingeholt und zur Anregung die Feiern anderer Vereine besucht. Am 9. September 1968 hatte der Verein den Inhaber der Münchner Fahnenstickerei Auer zur Versammlung geladen. Kommandant Eder, von Beruf ein talentierter Diplom-Malermeister, legte dabei einen eigenen Motiventwurf vor: Die Vorderseite zeigte den Kraiburger Marktplatz, darüber St. Florian und im Vordergrund den geschmückten Marktbrunnen; auf der Rückseite befand sich das Kraiburger Wappen. Alle Anwesenden waren davon begeistert und nahmen nach kleineren Änderungen den Vorschlag Eders an. Nach längerem Feilschen einigte man sich mit der Fahnenstickerei Auer auf den Preis von 2 350.-- DM.

Jetzt konnte auch der endgültige Festtermin auf den 14. u. 15. Juni 1969 gelegt werden. Dazu wollte die Brauerei Stolz ein Volksfest abhalten. Als Paten hatte man mit Scheitlknien den Nachbarverein Taufkirchen gebeten. Inge Stolz übernahm die ehrenvollen Aufgaben der Fahnenmutter, Irma Eder die der Trauermutter und Maria Wagner war Fahnenbraut. Für einen regen Besuch sorgten 410 Einladungen.

Das Fest begann am Vortag mit dem Empfang der Abordnung aus Ybbs und einem Kameradschaftsabend im Festzelt, bei dem 6 langjährige Mitglieder von Landrat Weggartner ausgezeichnet wurden. Ein aufziehendes Gewitter wartete so lange, bis alle Besucher ihren Platz im Zelt gefunden hatten.

Der Tag der Fahnenweihe sollte ein Fest der "Superlative" werden; alles war hervorragend organisiert, oder wie Landrat Weggartner meinte, die Kraiburger verstünden es seit jeher, Feste zu organisieren und zu feiern. Auch der Himmel zeigte sich nun von seiner schönsten Seite. Zahlreiche Ehrengäste waren erschienen, ebenso 121 Feuerwehren aus 7 Landkreisen mit 1400 Teilnehmer, 12 Abordnungen anderer Vereine und 5 Musikkapellen.

Der Marktbrunnen diente als Altar, an dem Pfarrer Josef Hamberger und Diakon Werner Giglberger den Festgottesdienst zelebrierten. Eine 26 Mann starke Kapelle aus Ebbs in Tirol spielte dazu die "Deutsche Messe" von Haydn. In seiner Predigt bezeichnete Pfarrer Hamberger jeden Feuerwehrmann, der selbstlos und treu seine Pflicht erfüllt, als einen Soldaten des Friedens. Anschließend weihte er die neue Fahne, wobei die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen Pate stand. Auch die alte Standarte wurde mitgeführt; fast 100 Jahre lang hatte sie als ihr Symbol über den Verein gewacht.

Mit dem Verlauf des Festes waren alle zufrieden; auch der Vereinskassier, der trotz enormer Ausgaben einen ansehnlichen Überschuß verbuchen konnte. So war es nicht verwunderlich, daß man jetzt schon an das 100jährige Gründungsfest von 1971 dachte.

Der Alltag hatte Kraiburgs Feuerwehr bald wieder eingeholt. Im November 1969 legten Heinrich Eder, Toni Hinterholzner, Erwin Heckensteiger, Manfred Huber, Peter Christan jun., Georg Ober sowie Walter und Rudi Prinz unter dem Löschmeister Peter Eigelsperger die Prüfung zum Leistungsabzeichen in Silber ab.

Am Heiligabend 1969 um 12.00 Uhr bemerkte Feuerwehrmann Eigelsperger, daß im Rückgebäude des benachbarten Kaufhauses Hammer Feuer ausgebrochen war. Sofort alarmierte er seine Kameraden und legte auch gleich selbst die Schläuche, damit umgehend mit den Löscharbeiten begonnen werden konnte. Wegen der gefährlichen Lage löste der eintreffende Kommandant Eder vorsichtshalber Großalarm aus.

Um die Alarmierung der Feuerwehren zu verbessern, ging der Landkreis Mühldorf 1970/71 daran, die Wehren mit Funkanlagen auszustatten. Die Kraiburger Feuerwehr bekam sie im April 1971 überreicht - ein würdiges Geburtstagsgeschenk zum 100jährigen Jubiläum.

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kraiburg war wirklich ein Grund zu feiern und wer die Kraiburger kennt, weiß, daß sie dies dann auch ausgiebig taten. Wieder wurden die zweitägigen Festlichkeiten in ein Volksfest mit eingebunden. Als besondere Attraktion wollte diesmal Kraiburgs Wehr ihren gegenwärtigen Leistungsstand mit einer Groß- und Schauübung demonstrieren. Am Samstag, den 10. Juli schrillten pünktlich um 15.00 Uhr die Sirenen. "Brandobjekt" war Kraiburgs größter Betrieb, die Brauerei Stolz mit all ihren Gebäuden. Eine große Menge Zuschauer verfolgte aufmerksam, wie die unmittelbar eintreffenden Feuerwehren von Kraiburg, Waldkraiburg, Maximilian, Grünthal, Taufkirchen, Guttenburg, Pürten, Jettenbach, Fraham und Zeiling gegen das "Flammenmeer" mit Leitern und viel Wasser vorrückten und bekämpften. Ein Festabend beschloß den ersten Tag.

Tags darauf , am Sonntag den 11. Juli begannen die Festlichkeiten schon um 6.00 Uhr mit dem Wecken der Bevölkerung durch Spielmannszüge. Gegen 8.00 Uhr trat der Jubelverein unter den Klängen der Musik auf, teilweise in historischen Uniformen mit ihrer alten Standarte und der neuen Fahne. Von Wanglbach her kam der Patenverein Taufkirchen anmarschiert und aus allen Himmelsrichtungen trafen von 80 Vereinen fast 1000 Feuerwehrkameraden ein, um Kraiburgs Wehr die Ehre zu geben. Auch die befreundete Feuerwehr aus dem österreichischen Ybbs war wieder erschienen. Selbstverständlich ließen es sich ebenso alle heimischen Vereine und viele Ehrengäste nicht nehmen, dabei zu sein.

Der Festgottesdienst fand bei herrlichem Sommerwetter wieder unter freiem Himmel statt, der Marktbrunnen diente dabei wie vor 2 Jahren als Altarinsel. In seiner Predigt würdigte Pfarrer Josef Hamberger die stolze Tradition des Jubelvereins, dessen Geschichte Zeugnis echter Hilfsbereitschaft von Männern gibt, die 100 Jahre lang für ihre Mitbürger bereit waren. Als Festmutter überreichte Paula Asam ein prächtiges Erinnerungsband und Fahnenbräute tauschten mit dem Patenverein ihre Bänder aus.

Bei den anschließenden Reden von Bürgermeister Johann Brandl und dem Schirmherrn des Jubiläums, Landrat Erich Rambold, kam wiederum die 100jährige Hilfsbereitschaft des Vereins zum Wohle des Marktes und seiner Bürger zur Sprache. Den Abschluß bildete ein großartiger Festzug durch den Markt zum Festplatz.

1972 gab es in der Führung der Feuerwehr einen Wechsel, der durch den Tod des langjährigen Vorsitzenden Franz Wagner notwendig wurde. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Mai wählte daraufhin einstimmig den bisherigen Kommandanten Heinrich Eder zu dessen Nachfolger. Neuer Kommandant wurde Walter Prinz. Mit der Leitung und Organisation einer Großübung aller 3 Feuerwehren der Gemeinde Kraiburg verabschiedete sich Eder von seinem bisherigen Amt.

Das Bündnis Kraiburg - Maximilian

Seit der Eingemeindung von Guttenburg am 1. Januar 1972 hatte die Marktgemeinde 3 selbständige Feuerwehren aufzuweisen, für deren Unterhalt der Markt auch Sorge tragen mußte. Der Gemeinderat genehmigte deshalb im Juni 1973 für dringend notwendige Ausrüstungsgegenstände der FFW Guttenburg rund 3 800.-- DM, Kraiburg 3 100.-- DM und Maximilian 2300.-- DM.

Es war also auch ein Kostenfaktor, der Bürgermeister Emil Storfinger bewog, eine Zusammenlegung der Feuerwehren Kraiburg und Maximilian zu betreiben. Dabei gab es jedoch Probleme, denn nicht nur die Maxloner wollten ihre letzte Eigenständigkeit bewahren, auch etliche Kraiburger betrachteten ihren Verein immer noch als "Bürgerwehr" und waren lieber unter sich. Storfinger aber ließ nicht locker.

Die Wende brachte der Umstand, daß Maximilian - auf der Suche nach einem Unterstand für ihre Feuerwehrutensilien - seit 1968 in Kraiburgs Gerätehaus Unterschlupf fand; Kraiburgs Wehr aber einen neuen Kommandanten suchte, den sie in dem rührigen Kommandanten von Maximilians Wehr sahen. Um die ältere Garde beider Feuerwehren nicht zu vergraulen, beließ man das separate Vereinsleben und legte nur die aktiven Mannschaftsteile zusammen, die dann auch Georg Stenger zu ihrem Kommandanten wählten und den Kraiburger Anton Hinterholzner zu dessen Stellvertreter. In der auf Vorschlag des Landratsamtes abgeänderten Satzung vom 16. bzw. 29. März 1974 ist diese Situation auch ausdrücklich festgehalten:

"§ 12a Die aktiven Mitglieder der FFW Maximilian schließen sich mit dem aktiven Mitgliedern der FFW Kraiburg zusammen, um die in § 1 gestellten Aufgaben gemeinsam durchzuführen....." Weiters war die Wahl des Kommandanten und seines Stellvertreters geregelt, die beide nicht dem selben Verein angehören durften.

Dieser Kompromiß war für beide Vereine die zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Lösung. Trotzdem gab es zu beiden Seiten "einige Quertreiber, die Beschlüsse mißachten und Unfrieden innerhalb der Feuerwehr stiften wollen," wie sich Kommandant Stenger bei der Jahreshauptversammlung 1974 beschwerte. Am Ende siegte doch die Vernunft und das hervorragende Gespann Heinrich Eder - Georg Stenger blies der aktiven Feuerwehr wieder frischen Wind in die Segel.

Seine Feuertaufe als Kommandant der Feuerwehr Kraiburg - Maximilian erhielt Stenger am 4. Juli 1974 beim Brand eines Wirtschaftsgebäudes des Bauern Sachs in Kolbing. Aus den umliegenden Gemeinden kamen deren Feuerwehren ebenfalls herbeigeeilt. Die Gefahr lag dabei vor allem im Übergreifen des Feuers auf die anderen Gebäude des Vierfirsthofes; im angrenzenden Stadel waren 25 000 Masthähnchen untergebracht. Der Feuerwehr gelang es, das Feuer so einzudämmen, daß die Tiere nicht zu Schaden kamen. Ein öffentliches Dankschreiben vom Besitzer Franz Sachs brachte der Feuerwehr Anerkennung für ihre Hilfeleistung.

Schon 1 ½ Monate später erfolgte mit dem Brand in Winklham der nächste Großeinsatz.

Bei der Generalversammlung im Dezember 1974 wurden nach der Zusammenlegung der aktiven Feuerwehrteile auch die vereinsinternen Ämter neu vergeben. Vorstand blieb Heinrich Eder, zum neueingeführten Amt eines stellvertretenden Vorstandes wurde Rudi Ziegler gewählt, als Kassier Josef Voglmaier, Schriftführer blieb Hermann Rauscher, Vertrauensleute wurden Josef Wastlhuber und Rudi Prinz, erster Fähnrich blieb wiederum Erwin Heckensteiger und zweiter Fähnrich Peter Esterer jun.

Bei einer Überprüfung der Löschgeräte durch den Technischen Überwachungsverein im Dezember 1974 fielen die Berichte über das 20 Jahr alte Fahrzeug und das fast 90 Jahr alte Gerätehaus recht unbefriedigend aus. Größere Reparaturen am Auto hielt die Kommission für unrentabel und empfahl den Kauf eines neuen Feuerwehrautos. Dafür gab es aber wiederum nur Zuschüsse, wenn dessen Unterbringung vorschriftsmäßig war. Da aber das Gerätehaus ebenfalls als ungenügend eingestuft wurde, standen dem Markt Kraiburg in nächster Zukunft erhebliche Anschaffungen für die Freiwillige Feuerwehr bevor. Um all dies zu bewerkstelligen, stimmte der Gemeinderat 1976 einer Erhöhung der bestehenden Feuerschutzabgabe auf 20.-- DM zu.

Im März 1975 konnte Kommandant Stenger bei der Jahreshauptversammlung seiner Feuerwehrheimat Maximilian über den guten Erfolg der Zusammenlegung berichten. Diskutiert und für gut befunden wurde auch die Gründung einer Jugendgruppe innerhalb der Feuerwehr für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, als deren Betreuer man Josef Bichler wählte.

Im April 1976 brannte das als Liebeslaube dienende Rauscherhaus am Marktplatz völlig aus. Wegen der Gefahr, daß sich das Feuer auf die angrenzenden Häuser ausbreiten könnte, löste der Kommandant vorsichtshalber Großalarm aus.

1976 konnte die hiesige Feuerwehr aber auch große Achtungserfolge verbuchen. Von den 71 aktiven Feuerwehrmännern besaßen nun 60 ein Leistungsabzeichen und auch die neugegründete Jugendgruppe hatte schon die Jugendleistungsspange. Bei dem schwierigen Wettbewerb der Jugendfeuerwehren des Landkreises am 25. Juni mit 15 teilnehmenden Jugendfeuerwehren gingen sie zudem als Sieger hervor.

Freude und Stolz dürfte bei den Kraiburgern folgende Zeitungsmeldung hervorgerufen haben, die vom internationalen Erfolg ihrer Wehr berichtete:

"12 700 Feuerwehrmänner am Start

Kraiburger Gruppe schnitt in Österreich mit erstem Platz vorzüglich ab

Zu einem einmaligen Erlebnis für die Männer einer Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg-Maximilian wurde die Teilnahme an den 26. Niederösterreichischen Landesfeuerwehr-Wettkämpfen in Weidhofen an der Ybbs. Mit Gruppenführer Heinrich Eder hatten Hermann Getschberger, Walter Prinz, Albert Cronauer, Willi Frank, Rudolf Prinz, Anton Hinterholzner, Josef Bichler und Fritz Huber unter der Leitung und Organisation von Kommandant Georg Stenger sich seit Ostern auf diesen Tag intensiv vorbereitet und 32 Übungen anberaumt. So konnte man guten Mutes nach Österreich fahren, wo von insgesamt 1 400 Mannschaften allein 52 aus neun weiteren ausländischen Nationen an den Start gingen.

Die Wettkampfbestimmungen lauteten: Angriff mit vier Saugschläuchen, 2 B-Längen, Verteiler und je 2 c-Längen sowie ein Staffellauf mit Meldungsübergabe auf einer 9 x 50-Meter-Strecke. Die Mannschaft Kraiburgs brauchte 70 Sekunden für den Angriff und 65 Sekunden für den Staffellauf - 10 Punkte wurden ihr für gute Haltung und 2 für die Altersklasse berechnet. Insgesamt errangen die Kraiburger bei einem Gesamtalter von 272 Jahren 377 Punkte und konnten sich unter den ausländischen Nationen in der B-Bewertung einen beachtlichen ersten Platz sichern. In der Gesamtwertung (A- und B-Wertung) kamen sie auf den 4. Platz.

Eindrucksvoll und unvergeßlich für alle Teilnehmer gestaltete sich die Schlußveranstaltung mit Siegerehrung. Insgesamt waren 12 740 Feuerwehrmänner angetreten. Kraiburgs Gruppe erhielt vom Landespräsidenten Niederösterreichs einen großen Pokal überreicht, dazu das Landes-Leistungsabzeichen in Bronze. Bei einem späteren Empfang im Rathaus von Weidhofen, zu dem alle ausländischen Kommandanten und Gruppenführer geladen waren, wurde an Georg Stenger und Heinrich Eder das Niederösterreichische Feuerwehr-Verdienstabzeichen 3. Klasse verliehen.

Die Bürger des Marktes Kraiburg sind stolz auf ihre Wehr, die nicht nur dem Markt, dem Land Bayern, sondern auch der Bundesrepublik Deutschland, die sie mit vertraten, Ehre einlegten."

1977 ergoß sich erneut ein Gold- und Silberregen über Kraiburgs Feuerwehr. Zwölf Männer erhielten das Leistungsabzeichen in Silber, 11 in Gold und Josef Bichler bekam das Leistungsabzeichen Gold/Grün verliehen. Bei einer Feierstunde hob Bürgermeister Storfinger den guten Ausbildungsstand der Wehr hervor und meinte, daß der Markt stolz auf seine Feuerwehr sei, sie habe mit Recht ein neues Löschfahrzeug und Feuerwehrgerätehaus verdient.

Das neue Löschfahrzeug kam schon am 21. November 1977 - ein LF 8 Löschgruppenfahrzeug der Marke "Magirus". Bürgermeister Storfinger hatte zwar für ein günstigeres, aber älteres Mercedesmodell plädiert, sich jedoch den Wünschen der Wehr gebeugt. Eine Abordnung von 10 Mann war extra nach Ulm gereist, um das Fahrzeug in Empfang zu nehmen. Bei der Ankunft in Kraiburg stellte sich jedoch heraus, daß die Tore des Feuerwehrhauses für das Fahrzeug zu klein waren. So brachte man es in einer Garage der Firma Preintner unter.

Winter war’s, und niemand dachte daran, für das Auto auch Winterdiesel zu tanken. So nahm die Blamage seinen Lauf. Nach ungefähr 3 Wochen wollte der versammelte Gemeinderat das neue Löschfahrzeug besichtigen, dazu sollten Kommandant Stenger und Walter Prinz das Fahrzeug zum Marktplatz fahren. Wie zu erwarten, sprang jedoch - das Dieselöl war eingefroren- der Motor nicht an, und Stenger mußte den schwersten Gang seiner Feuerwehrlaufbahn antreten, um den Gemeindevertretern das Dilemma mitzuteilen. Bürgermeister Storfinger konnte natürlich seine Schadenfreude nicht verbergen und spottete, daß dies bei Mercedes wohl nicht passiert wäre und die Feuerwehr statt dessen ein "G´lump" habe. - Nur gut, daß St. Florian dafür sein Einsehen hatte und die Feuerwehr vor einem Brandeinsatz bewahrte. Über ein Jahr mußte das neue Löschfahrzeug mit seiner Notunterkunft vorlieb nehmen, bis es in das neuerbaute Feuerwehrhaus umsiedeln konnte.

Zwar gab der Bürgermeister schon im Dezember 1976 den Planungsabschluß eines Feuerwehrgerätehauses an der Guttenburger Straße durch das Architekturbüro Rösler/Rahnsch bekannt, doch bis zum Baubeginn sollten noch 15 lange Monate vergehen. Den feierlichen Spatenstich im März 1978 durfte Bürgermeister Storfinger noch ausführen, die Fertigstellung seines Werkes erlebte er jedoch nicht mehr. Am 15. Juli starb Emil Storfinger schnell und unerwartet; ein Verlust für Kraiburgs Feuerwehren, mit ihm verloren sie einen Freund und Förderer.

Das neue Feuerwehr Gerätehaus

Am 20. Januar 1979 konnte Kraiburgs Wehr in ihr neues Gerätehaus einziehen. Es mußte allerdings noch für ihren Bedarf ausgebaut und eingerichtet werden. Die Aufhängung für Bekleidung, der Bau von Regalen und Schränken sowie der Ausbau des Dachgeschosses erforderten insgesamt 250 freiwillig geleistete Arbeitsstunden.

Mit einem dreitägigen Fest zur Weihe des neuen Hauses und dessen Schlüsselübergabe am 20. Mai drückten Kraiburgs Floriansjünger ihre Freude über das gelungene Bauwerk aus. Die Brauerei Stolz hatte sich ebenfalls darauf eingestellt und ein extra gutes Festbier gebraut.

Schon am Freitag begannen die Feierlichkeiten mit dem "Anzapfen" des ersten Banzens durch den neuen Bürgermeister Johann Kifinger. Jeder lobte das gute Bier, doch merkten die meisten zu spät, daß es nicht nur besonders süffig, sondern auch extra stark war, was sich bei der ganzen Festgesellschaft durch enorme Gleichgewichtsschwankungen bemerkbar machte. Nur Kommandant Stenger entging diesem Schicksal, er lag mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus.

Ein Festabend am Samstag stimmte alle auf die Feierlichkeiten des nächsten Tages ein. Traditionsgemäß hatte St. Florian wieder für herrliches Wetter gesorgt. Ehrengäste waren erschienen und die Abordnungen aller Kraiburger Vereine. Auf dem Platz vor dem neuen Gerätehaus hielt Oberstudienrat Werner Giglberger den Festgottesdienst. In seiner Begrüßungsrede forderte er die Anwesenden auf, gleich der Feuerwehr die Gemeinschaft am Ort zu pflegen, mehr füreinander da zu sein, zu helfen und den anderen beizustehen.

Nach der Weihe des neuen Feuerwehrgerätehauses umriß Bürgermeister Kifinger, der selbst lange Zeit aktives Vereinsmitglied war, die Entstehungsgeschichte des Vorgängerbaues und des neuen Hauses. Er erwähnte auch die Kosten von 750 000.-- DM, an denen sich Staat und Landkreis kräftig beteiligten. Dabei bedankte sich der Bürgermeister bei Landrat Erich Rambold, der durch schnelle und unbürokratische Zuweisung der Mittel wesentlich am Zustandekommen des Baues beitrug. Zusammen mit dem Kauf von 2 neuen Löschfahrzeugen für die Feuerwehren von Kraiburg und Guttenburg habe nun der Markt rund 1 Million aufgewendet, die als Dank für deren ständige Einsatzbereitschaft zum Wohle der Allgemeinheit zu sehen seien.

Landrat Rambold gab in seiner Festrede zu verstehen, daß die Gemeinde verpflichtet sei, ihrer Feuerwehr jede Hilfe für deren Selbsthilfe zu geben und ihr für ihren freiwilligen Dienst am Nächsten eine optimale Ausrüstung zur Verfügung zu stellen.

Nach der Schlüsselübergabe durch Architekt Horst Rahnsch an den Bürgermeister übernahm Anton Hinterholzner für den erkrankten ersten Kommandanten die Schlüsselgewalt des Hauses mit dem Versprechen, daß es allzeit eine Heimstatt der Kameradschaft und der Hilfsbereitschaft sein soll. Dies niemals zu vergessen, erinnert das Bild des Schutzpatrons St. Florian an der Vorderseite des Hauses mit dem Wahlspruch "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".

Der Mannschaftsstand umfaßte jetzt mit den 8 Mann der Jugendwehr 78 aktive Feuerwehrmänner, wovon 36 aus Kraiburg stammten und 42 aus Maximilians Wehr. Als Verbesserungen im Einsatz kamen zu ihren Gerätschaften in diesem Jahr noch schwere Atemschutzmasken und ein Heuwehrgerät hinzu, das die Jagdgenossenschaft von Kraiburg und Guttenburg sowie die Brandversicherung spendeten.

Am 7. Februar 1981 hatte Kraiburgs Feuerwehr eine traurige Aufgabe zu erfüllen. An diesem Tag verunglückte Bürgermeister Johann Kifinger mit seinem Traktor tödlich und mußte von der Wehr geborgen werden.

Das Hagelunwetter vom 3. Juli erforderte eine Woche lang den Einsatz der Feuerwehr um Schäden zu beseitigen. Die Männer der Wehr kamen jedoch nicht zur Ruhe, denn schon 2 Wochen später trat der Inn über seine Ufer. Vom 19. Juli 12.00 Uhr bis 20. Juli 22.00 Uhr waren sie pausenlos im Hochwassereinsatz.

Knapp eine Woche später gab es für Kraiburgs Feuerwehrmänner endlich einen Grund zu feiern. Unter Beisein von Bürgermeister Alois Schlagmann legten 38 Mitglieder bei strömendem Regen mit Erfolg die Leistungsprüfungen ab und wurden anschließend "veredelt". Neben den 14 neuen Feuerwehrmännern, die das Leistungsabzeichen in Bronze erhielten, bekamen 7 das Abzeichen in Silber der Stufe II und 1 Silber der Stufe III/1. Das Abzeichen in Gold der Stufe III/2 erlangten 3 Mann und 6 Gold/Blau der Stufe III/3; Gold/Grün der Stufe III/4 durften nun Heinrich Eder, Anton Hinterholzner, Georg Ober, Rudolf Prinz, Peter Voglmaier, Franz Jackl und der Kommandant Georg Stenger tragen.

Die Prüfer lobten den guten Ausbildungsstand und zeigten sich erfreut über die große Zahl der in Kraiburg aktiven Feuerwehrmänner. Am Schluß lud Bürgermeister Schlagmann im Namen der Gemeinde alle zu Brotzeit und Bier ins Gasthaus "Zweibrückenwirt" ein. Dabei sprach er der Feuerwehr seinen besonderen Dank für ihre Hilfe bei der Hochwasserkatastrophe im Juli aus.

Auch die Jugendgruppe der Feuerwehr unter ihrem Leiter Karl Neulinger konnte Erfolge vorweisen. Bei dem Wettkampf "10 Jahre Jugendfeuerwehr Waldkraiburg" belegte sie unter 20 teilnehmenden Mannschaften den 5. Platz; weiters legten 9 Mann die Prüfung zur Jugendleistungsspange erfolgreich ab und bei einer Löschwassersuchfahrt in Mühldorf kam eine Gruppe auf den 3. Platz unter 103 teilnehmenden Mannschaften.

Die Feuerwehr verstand neben ihrer "Pflicht" aber auch das gesellige Leben zu pflegen; neben internen Feiern waren Maibierausschank und Faßlrutsch´n auch bei den übrigen Kraiburgern alljährlich sehr beliebt und brachten außerdem dem Verein Einnahmen für nötige Anschaffungen. Ihre Liebe zur Heimat bekundeten sie durch die Ausbesserung des Floriansteiges.

Kurz vor Weihnachten 1982 ging nach LF 8 und Gerätehausbau der dritte Wunsch in Erfüllung. Am 14. Dezember traf das neue Tanklöschfahrzeug TLF 16 in Kraiburg ein. Stolz präsentierten sie es 4 Tage später, zusammen mit dem LF 8 vor dem Rathaus und erklärten der zahlreich interessierten Bevölkerung alle Funktionen.

Daß zu modernen Gerätschaften auch eine gute Ausbildung gehört, bezeugte Kraiburgs Feuerwehr weiterhin Jahr für Jahr durch erhaltene Auszeichnungen und Preise. So konnte 1983 die Jugend bei einer Landkreisausscheidung mit 19 Mannschaften den 3. Platz belegen und bei der folgenden Bayerischen Ausscheidung erreichten sie den hervorragenden 6. Platz der 30 teilnehmenden Wehren. Auch bei der Stammbesatzung blieb der Erfolg nicht aus: 46 Aktive legten wiederum ihre Leistungsprüfungen ab. Franz Jackl, Georg Stenger, Anton Hinterholzner, Rudolf Prinz, Heinrich Eder, Peter Voglmaier und Georg Ober sen. waren nun zum Tragen des Abzeichens der höchsten Stufe III/5 in Gold/Rot berechtigt.

All diese hervorragenden Leistungen - bei einem aktiven Mitgliederstand von 87 Mann - konnte die bewährte Führungsriege in 10jähriger Gemeinsamkeit eindeutig für sich verbuchen. Kein Wunder, daß Kommandant Stenger, Stellvertreter Anton Hinterholzner und Jugendleiter Karl Neulinger 1984 für weitere 6 Jahre mit großer Mehrheit wiedergewählt wurden.

Als nächste große Anschaffung faßte man den Kauf eines Mannschaftswagens ins Auge. Beide Feuerwehrvereine, Kraiburg und Maximilian, spendeten dazu je 5 000.-- DM und auch die Jagdgenossenschaft gewährte einen Zuschuß von 2 000.-- DM, so daß für die Marktgemeinde lediglich ein Restbetrag von 12 000.-- DM übrig blieb. Die Auslieferung des Fahrzeuges erfolgte dann am 16. Mai 1985, gerade rechtzeitig, um bei der Hochwasserkatastrophe dienlich zu sein.

Seit über 100 Jahren führte der Inn nicht mehr solch unvorstellbare Wassermassen heran wie in der Nacht vom 6. auf 7. August. Dabei ging alles so schnell, daß einige in ihren Betten von den Fluten überrascht wurden. Diesmal halfen auch keine Sandsäcke - es mußte gerettet werden, was zu retten war. Ein Bauer wollte partout die Gefahr nicht erkennen und verbot es, seine Kühe aus dem Stall zu holen; erst als sie bis zum Hals im Wasser standen, rief er nach den nimmermüden Helfern.

In Kraiburg, das von allen Innorten am schlimmsten betroffen war, hieß es für über 100 Häuser "Land unter". Ein Krisenstab wurde aus Vertretern von Feuerwehr, Polizei und Marktgemeinde gebildet, der alle Hilfseinsätze leitete. Unterstützung gab es aus allen Regionen. 57 Wehren standen unserer Feuerwehr zur Seite, die sich unermüdlich für die Betroffenen einsetzte. Innerhalb von 2 Tagen leisteten diese Männer 9 750 Arbeitsstunden.

Ab 7. August nachmittags gingen die Fluten des Inns soweit zurück, daß am 8. morgens die Straßen wieder frei waren. Ein unvorstellbares Chaos blieb zurück. Überall Schlamm, vermischt mit ausgelaufenem Heizöl. Bis 28. August - 20 Tage lang - war die Feuerwehr beschäftigt, Keller, Jauche- und Schlammgruben auszupumpen sowie die schlimmsten Schäden zu beseitigen. Seit dieser Zeit werden in Kraiburg wohl nur Unbelehrbare an der Bedeutung und Qualität unserer Feuerwehr zweifeln.

Mittlerweile schützt ein Damm den Ort vor den Fluten des Inns und es ist zu hoffen, daß für Kraiburgs Feuerwehr solch aufreibende Einsätze der Vergangenheit angehören.

Im Oktober 1985 konnte die Jugendgruppe ihr 10jähriges Bestehen feiern, wozu sie ihre Kameraden aus dem Landkreis zu einem freundschaftlichen Wettkampf einluden.

Am 5. November 1985 erhielt Kommandant Stenger in Anbetracht seiner Leistungen das Deutsche Feuerwehr - Ehrenkreuz in Silber. Bei der Überreichung sagte Kreisbrandrat Hansmaier treffend: "Sicher kann einer allein diese Arbeit nicht schaffen, aber es muß einer vorndran stehen, der die notwendigen Schritte unternimmt."

Ein weiteres Ehrenzeichen in Silber bekam Stenger im Mai 1986 zusammen mit Josef Bichler, Rudolf Prinz, Walter Prinz und Matthias Schwarzhuber für 25jährige Dienstzeit.

Seit 1. Januar 1986 war Karl Neulinger als Kreisbrandmeister tätig, weshalb Franz Oberpaul am 4. Juni 1986 die Führung der 15köpfigen Jugendgruppe übernahm. Schon am 1. Juli 1987 kam für den fähigen Feuerwehrmann Neulinger die Beföderung zum Kreisbrandinspektor; zugleich wurde er Stellvertreter des Kreisbrandrates. Die Kraiburger Kameraden sind stolz darauf, daß dieser Mann aus ihrer Mitte so ein wichtiges Amt innehat. Karl Neulinger selbst blieb seinem Heimatverein nachwievor treu verbunden und steht ihm jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Auch Franz Oberpaul stieg am 1. Januar 1992 zum Kreisbrandmeister auf, so daß Kraiburgs Wehr in der Kreisbrandinspektion nun hervorragend vertreten ist.

Fast ein Jahr nach der letzten Hochwasserkatastrophe bekam Kraiburg erneut die Naturgewalten zu spüren. Am 18. Juni entluden drei Gewitter Sturm, Regengüsse und Hagel über den Ort. Nach knapp einer Stunde waren Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, Keller überflutet und Straßen unpassierbar. Helfer in der Not war wiederum die Freiwillige Feuerwehr, die mit den Kameraden aus Waldkraiburg, Zeiling, Taufkirchen und Grünthal dem Chaos Herr zu werden suchte. Zum Glück hatte 5 Tage zuvor der Katastrophenschutz des Freistaates der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg - Maximilian einen fabrikneuen Rüstwagen - RW 1 - Unimog mit Seilwinde zur Verfügung gestellt, der sich an diesem Tag hervorragend bewährte.

Der 1986 getätigte Kauf eines Einsatzbootes mit Außenbordmotor und Bootsanhänger über 30 PS aus Aggsbach an der Donau - Österreich, sollte dann die letzte große Anschaffung sein. Freilich, Tauchpumpen, Wassersauger, Ölschwimmsperren, Funkgeräte, Wathosen, Bergegurte für Großtiere und diverse Ausrüstungsgegenstände mußten ebenfalls noch angeschafft werden, da sie bei keiner gut ausgerüsteten Wehr fehlen durften.

Zum Glück fand Kraiburgs Feuerwehr bei ihrem Bürgermeister und den Gemeinderäten immer ein offenes Ohr, hatte doch der Ort den Männern der Wehr viel zu verdanken. Auch die Jagdgenossenschaft ließ sich nicht lumpen und zweigte Jahr für Jahr einen größeren Betrag für deren Belange ab.

Für den 9. November 1986 gibt es in Kraiburg wieder ein Großfeuer zu verzeichnen, bei dem das Wohngebäude der Bruckmühle ausbrannte.

Ein erster Schritt hin zur völligen Verschmelzung war die erste gemeinsame Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehren Kraiburg und Maximilian am 3. April 1987 im Gasthaus "Weidinger" in Wanglbach. Von nun an trafen sie sich jährlich im jeweils anderen Ort.

Am 31. Oktober 1987 segnete Pfarrer Hamberger den neuen Rüstwagen und das Einsatzboot, die beide mit Blumen geschmückt waren. An die kleine Feier auf dem Marktplatz schloß sich ein Festabend im Cusanussaal des Bischof-Bernhard-Hauses an. Landrat Erich Rambold ehrte dabei im Auftrag des Bayerischen Innenministers den langjährigen Vorstand Heinrich Eder für seine 40jährige Dienstzeit bei der Feuerwehr mit dem Goldenen Feuerwehrabzeichen. Nach Rambolds Worten war er es, der aus den einfachen technischen Ausrüstungen der Nachkriegszeit die Kraiburger Feuerwehr mitgeschaffen hat, die sie jetzt sei: "eine schlagkräftige Truppe mit modernstem Gerät, das zu bedienen sie jederzeit unter Beweis stellen kann."

Leider blieb es Heinrich Eder verwehrt, sich weiterhin mit Erfahrung und Weitblick für den Verein einzusetzen. Schon nach kurzer Zeit mußte er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt an den Stellvertreter Rudolf Ziegler abtreten. Als er dann am 6. Juni 1988 nach schwerer Krankheit starb, verlor die Feuerwehr nicht nur einen langjährigen Vorstand sondern auch einen guten Freund und Kameraden.

Bei der Jahreshauptversammlung am 7. April 1989 in Wanglbach ging das provisorisch verwaltete Amt des Vorsitzenden offiziell auf Rudolf Ziegler über. Zu dessen Stellvertreter wurde nun Anton Hinterholzner gewählt. Eine anschließende Diskussion über die Zusammenlegung beider Vereine - Freiwillige Feuerwehr Kraiburg und Freiwillige Feuerwehr Maximilian - zeigte, daß die Männer seit den gemeinsamen Erfolgen im aktiven Teil auch auf Vereinsebene im Grunde schon längst eine Einheit bildeten. Man einigte sich auf die nächste Generalversammlung als Termin für die Vereinigung. Bis dahin mußten noch Formalitäten geregelt und eine neue Satzung aufgestellt werden.

Als dann am 7. April 1990 im Gasthaus "Rosenberger" unter Beisein von Landrat Rambold, Bürgermeister Schlagmann, der Gemeinderäte und der Kreisbrandinspektion das Vereinigungszeremoniell stattfand, gab es keine Stimme dagegen. Auch die Satzung wurde einstimmig angenommen. Der künftige Name des Vereins lautete:

"Freiwillige Feuerwehr Markt Kraiburg am Inn"

 

Das Feuerlöschwesen in Maximilian

Im heutigen Gemeindebereich Kraiburg gab es bis 1935 neben dem Markt noch die selbständige Landgemeinde St. Maximilian. Als politische Gemeinde mußte sie wie ihr Nachbar Kraiburg auch für das Feuerlöschwesen auf ihrem Gebiet sorgen. War jedoch beim Brandfalle im Markt dessen enge Bauweise gefährlich, lag das Problem in der Landgemeinde gerade umgekehrt. Die weit verstreut liegenden Höfe verhinderten ohne eine spezielle Organisation jede schnelle Hilfe der ganzen Gemeinschaft. So erließ die Gemeinde auf Anordnung der Bezirksbehörde schon 1841 im Amtsblatt Nr. 20 eine Vorschrift über "die Handhabung der Feuerordnung betr." - ein

Dokument, das uns einen Überblick über das Feuerlöschwesen jener Zeit vor Augen führt.

1841 Amtsblatt Nr. 20

Die Handhabung der Feuerordnung betr.

Verzeichniß der Feuerlösch = Requisiten und Anordnung in der Gemeinde Maximilian

I. Maaßregeln zur Verhütung von Bränden:

ad 1: Eigentliche Nacht- und Feuerwachen bestehen hier nicht; dagegen ist jeder Hausbesitzer strenge beauftragt sowohl für sich, als sein Benachbartes, auf Feuer Acht zu haben.

ad 2: Wasserkufen sind meistens neben Wohnhäusern in Bereitschaft.

ad 3: Als Vorrichtung zur Wasser-Aufsammlung sind hier, größentheils der Bewohner, Wassergräben angebracht.

ad 4: Als Löschmaschine, befindet sich beim Raspel zu Gundlbrechting eine Handspritze, welche der Gemeinde Eigenthum ist. Derselbe hat damit auch jedesmal zum Löschen zu erscheinen.

ad 5: Eigentliche fahrbare Wasserfässer oder Kästen sind nicht vorhanden; als solche müssen dann im Nothfall, d.i. beim Ausbruche eines Feuers in der Nähe, jene Fässer dienen, welche mancher Hausbesitzer für sich zum Wasserfahren hat und benützt so wie Lit. II A, No 3 angegeben.

ad 6: Wasser = oder Feuer = Eimer, sind 8, in gutem Zustand, aber unbezeichnet vorhanden.

ad 7: Feuerhacken sind 2, mit 27 Schuh Länge, und

ad 8: Feuerleiter auch 2, mit 27 Schuh Länge vorhanden; von diesen Letztern, ist eine mit einfach, die andere mit doppelter Breite.

B. Beides, die Feuereimer, Hacken und Leitern, befinden sich beim Niedermaier zu Kolbing; welche er auch jedesmal zur Brandstätte zu führen hat, wo es brennt.

II Maaßregeln nach ausgebrochenem Brande.

A. Zum Löschen

ad 1: Feuerlärm. Hiezu sind die Mesner beauftragt, eilends die Glocken, bald einzeln, bald miteinander, - d. i. immer abwechselnd mit einzelnen Anschlägen zu läuten.

ad 2: Feuerreiter, als solche sind bestimmt: 1ten Hartberger, 2tens Hofbauer, Sollte aber einer dieser gänzlich gehindert sein, so hat statt den 1ten, der Obermaier zu Kolbing, und für den 2ten, der Linderer zu Kolbing, dessen Stelle zu vertreten. Und, damit es schneller und sicherer vor sich geht, so hat jeder Reiter sogleich zwei Pferde mitzunehmen, um auch die Feuerspritze sogleich anspannen zu können.

Ersterer hat also mit zwei Pferden nach Lafering in Pfarrhof zu reiten, und zweiter nach Kraiburg; allwo Feuerspritzen stehen.

ad 2: Der Sammelplatz ist beim Niedermaierbau zu Kolbing; namentlich derer, welche ad 4, a,:als Löschmannschaft bestimmt sind.

ad 3: a: Wasser, haben erstens, in Fäßern herbeizuführen:

1. Ziegler und 2. Stockerer am Gänsberg, 3. Linder und 4. Obermaier zu Kolbing.

b: Zweitens, nach 4 Stunden haben dann die obigen abzulösen: 1. Söllner und 2. Mair zu Maximilian, 3. Woflbauer und 4. Jacklbauer am Berg.

ad 4: Zur Löschmannschaft - Feuer Rotte, sind zum Abgehen

a: auf den ersten Feuerlärm bestimmt: die zwei Gerlersinger, Kindlthaller, Schmid in Haag, Zollnerweber, 2 Beckenlehnerhäusler, Bründl und Frimberger von Gries, Binder und Wagner von Schützenau. Schmid von Haag ist dessen Führer.

b: Als Ablösungsmannschaft obiger, sind nach 4 Stunden Bestimmt:

Wislreiter, Wenger im Brand, Gotthard Schneider von Gries, Kolberer Kolbing, die Weiherhäusler, Diepold von der Innbrücke;

Schneider von Gumpersberg als dessen Anführer.

ad 5: Als Werkleute zum Einreißen sind bestimmt:

a: Schönreiner Maurer von Gries, und die Zimmerleute: Fischer und Forstmair von der Innbrücke, Kastner und Putz von Maximilian,

Stein von der Innbrücke als dessen Anführer,

ad 6: b: zum Ablösen dieser; haben nach 4 Stunden zu erscheinen: Karl Mauerer von Gries, die Zimmerleute Binder und Dobler und Reithäusler von Gries, und Linner Friedl von der Innbrücke;

Aschl von Maximilian als dessen Anführer.

ad 7.8.B. Jeder dieser Anführer muß mit einer Armbinde versehen sein.

B. Zur Rettung.

ad a: Rettungsmannschaft des Viehes und anderer Effekten.

sind bestimmt, dieselben in Sicherheit zu bringen: Schuster oder Kolberer zu Kolbing, Winklhammer, Brandl und Wuhrmüller von Gundlbrechting; und Wimmer am Berg, als dessen Anführer, welcher über

ad 2: die Austräger und Wächter der geretteten Effekten, die Liste zu führen hat.

Diese Abteilung hat sich mit blauen Armbinden und guten Stecken zu versehen.

ad 3: Diese Effekten haben mit Wägen in Sicherheit zu bringen:

1. Reichlmüller, 2. Zaunlehner zu Kolbing, 3. Bruckmüller, und 4. Stegmüller.

Diese haben gleich abzufahren, wenn es in eigener Gemeinde brennt; weiter aber erst auf Befehl.

Diese Feuer = Ver = und Anordnungen, wurde jedem Gemeinde=Glied bekannt und zur Pflicht gemacht; und dann abschriftlich im Gemeindehause aufgestellt. Auch sind der Mannschaft die treffenden Feuerordnungs=Zettel gegeben worden.

Dies bestätigt die

Land=Gemeinde Verwaltung Maximilian am 19. Juni 1841

Verwaltungs- Unterschriften:

Stempel Franz Wimmer Vorstand

Jakob Wastlhuber

Bartholome Brandl

+ Zeichen des Franz Kaltner

An dieser Verhaltensweise änderte sich in der Gemeinde Maximilian jahrzehntelang nichts mehr. Auch die distriktspolizeilichen Vorschriften von 1873 brachten keine Bewegung in ihr festgefahrenes Löschwesen, obwohl Kraiburg schon zwei Jahre lang eine Freiwillige Feuerwehr besaß und nun als Hauptort des Feuerlöschbezirks für dessen Pflichtfeuerwehr mitverantwortlich war. Wie Bürgermeister Zieglgänsberger betreffs dieser Anordnung an das kgl. Bezirksamt Mühldorf schrieb, hatte jeder Hausbesitzer einen Eimer von mindestens 10 Liter Inhalt; Feuerleitern und Haken waren ebenfalls in der geforderten Anzahl vorhanden. Auch gab es geeignete Plätze zur Aufbewahrung der Löschgeräte sowie zum Transport von Wasser entsprechende Behältnisse. Dagegen war die Anschaffung einer Feuerlöschmaschine "gegenstandslos", zumal "keine Ortschaft im Gemeindebezirk die Zahl von 20 Wohngebäuden erreicht." Zur Ehrenrettung des Bürgermeisters muß gesagt werden, daß dieser sich für den Kauf einer Spritze einsetzte, dabei jedoch von allen Ausschußmitgliedern überstimmt wurde.

Weiter schrieb Zieglgänsberger: da "verordnungsgemäß keine Feuerspritze anzuschaffen ist und daher keine eigenen Spritzenmänner aufzustellen sind, so theilte man die Gemeinde Einwohner ein, in Steiger, welcher alle männlichen Bewohner von 18 - 36 Jahren und in Ordnungsmänner, welche die übrigen von 36 - 60 Jahren angehören......."

Bezüglich der Ausbildung durch den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr sei Kraiburg noch nicht an die Maxloner herangetreten.

Das Bezirksamt scheint mit der eigensinnigen Antwort nicht ganz zufrieden gewesen zu sein, denn ein halbes Jahr später, am 1. November teilte Zieglgänsberger bezugnehmend auf die Feuerlöschordnung diesem mit, daß die Gemeinde nun in

Maximilian 2 Feuerleiter und 2 Feuerhaken

Bruckhäusl 2 Feuerleiter und 2 Feuerhaken

Grieshäusl 2 Feuerleiter und 2.Feuerhaken

Kolbing 1 Feuerleiter und 1 Feuerhaken

Weiher 1 Feuerleiter und 1 Feuerhaken habe.

Desweiteren "da die Gemeinde Maximilian wegen unzureichender Wohnhäuserzahl von der Anschaffung einer Feuerspritze entbunden wurde, so unterblieb auch die für jedes Quartal in Aussicht genommene Feuerwehr-Übung. Es wird hiemit ausdrücklich bestätigt, daß fragliche Gerätschaften für oben angeführte Ortschaften in der angegebenen Zahl angeschafft und nun bereits vorhanden sind."

Im Januar 1874 wurde noch folgendes Verzeichnis "der vorhandenen Feuerlösch-Requisiten" nach Mühldorf geschickt:

Zahl der Bevölkerung: 564

Steueraufkommen: 1534 Gulden 52 !/2

Handspritze: 1

Feuereimer: 10

Feuerleiter: in jedem größeren Haus wenigstens 1

Bemerkung: Die vorhandenen Löschgeräthschaften sind, weil erst kurz neu angeschafft, in bestem Zustand.

Als nächste Anschaffung tätigte die Gemeinde 1878 den Kauf von 63 Armbinden für ihre Feuerwehr.

Seit der Distrikts-Feuerlösch-Ordnung vom 17. Januar 1879 gab es auch für die Maxloner Pflichtfeuerwehr jährlich 4 Pflichtübungen an bestimmten Sonntagen bei der Bruckmühle. Der Markt überließ dazu leihweise eine alte ausrangierte Löschmaschine, die noch mit Eimer gespeist werden mußte.

Am 4. Juli 1897 hob die Gemeinde Maximilian nach dem Vorbild ihres Nachbarn ebenfalls eine Freiwillige Feuerwehr aus der Taufe. Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus zu Wanglbach statt, ihrer späteren "Herberge". 35 Mann wurden Mitglied - 40 Mann blieben dagegen bei der bisherigen Pflichtfeuerwehr, die nun im Schatten der Freiwilligen dahin vegetierte. Als Vorstand wählte die Versammlung den Sägfeiler Johann Jackl, zum Kommandanten den Lindererbauern von Kolbing, Bartholomäus Oberwesterberger.

Zwei Urkunden bezeugen diesen Schritt: in der ersten schreibt die Gemeindeverwaltung von Maximilian am 10 Juli 1897 an den Herrn Bezirksvertreter des Gauverbandes in Neumarkt a.d. Rott:

"Wird hiemit Herrn Bezirksvertreter das Verzeichnis der neuernannten freiwilligen Feuerwehr vorgelegt zur Einsicht und wird um baldige Retournierung desselben gebeten.

Hochachtungvollst die Gemeindeverwaltung Maximilian, Haider Bürgst"

Dessen Antwort ist auf dem selben Schriftstück unten vermerkt:

"Br. w. nach Einsichtnahme ergebenst rückgeleitet mit dem Bemerken, daß in der Rubrik "Abteilung der Feuerwehr" einzusetzen ist, ob Steiger oder Spritzenmann.

Neumarkt Rott den 4. August 1897

Hochachtungsvoll Einmayr Brgmst Bezirksvertreter"

Als zweite Urkunde ist noch die Aufnahme als "Mitglied des bayerischen Landes-Feuerwehr-Verbandes" vorhanden. Mit Wirkung vom 1. Januar 1899 stand die "freiwillige Feuerwehr Maximilian" somit "unter dem Allerhöchsten Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Prinz=Regenten Luitpold von Bayern".

Nach dem dringend notwendigen Kauf einer neuen Saug- und Druckspritze Nr. 3 der Firma Braun aus Nürnberg um 1 270 Mark - wofür die Gemeinde schon seit einigen Jahren sparte - mußte auch für deren Stationierung gesorgt werden. Der Ökonom Franz Sachs stellte dafür auf seinem Anwesen den Grund mit der Flurnummer 786 ½ unentgeltlich zur Verfügung. Auf ihm entstand noch im selben Jahr das "Feuerlösch-Requisitenhaus" um den Preis von 996 Mark, 88 Pfennig, zu dem die Distriktskasse 649 Mark beisteuerte.

Im Gegensatz zur Kraiburger Wehr achteten die Maxloner immer streng darauf, nicht über ihre Verhältnisse zu leben. So fielen die Anschaffungen von Ausrüstungsgegenständen stets bescheiden aus, wie 1898 mit 4 Steigerhelmen, 1 Chargenhelm, 2 Hupen für 11,50 Mark und ein Signalhorn um 18,05 Mark.

Ohne Fahne wollten sie jedoch nicht dastehen, so daß sie sich - ein Jahr nach ihrer Gründung - gleich den Kraiburgern eine Standarte anschafften, zum Preis von 175 Mark.

Wie in Kraiburg gab es auch hier Schwierigkeiten mit der Pflichtfeuerwehr, da ständig einige Männer bei deren Übungen fehlten. Kommandant Oberwesterberger sah deshalb keinen anderen Ausweg, als 1901 das Bezirksamt um die Entsendung der Kraiburger Gendarmerie zu den Übungen zu bitten.

1905 übernahm Franz Freiberger von Gänsberg die Stelle als Kommandant. In seiner Zeit - 1909 - hatte Maximilian laut Aufzeichnungen des Bezirks-Feuerwehrverbandes Mühldorf bei 590 Einwohnern 43 aktive Feuerwehrmänner und 100 Meter Schlauchmaterial. Diese Statistik bezeichnet allerdings den 27. Juni 1897 als Gründungsdatum. 1911 wurde der Zaunlehner Josef Weidinger zum Kommandanten gewählt.

Aus dem Weltkrieg 1914/18 kamen 20 Maxloner Feuerwehrkameraden nicht mehr zurück.

1921 starb 71jährig der Vorstand des Vereins, Johann Jackl; als dessen Nachfolger wurde der Bürgermeister Johann Käsmaier gewählt.

Unter dem Schlossermeister Hans Jackl, Kommandant seit 1920, wies die Freiwillige Feuerwehr Maximilian einen sehr guten Leistungsstand auf. Als beim Kraiburger Bezirkstag 1923 dessen Wehr sehr schlecht abschnitt, konnten die Maxloner unter ihrem Kommandanten Jackl ausgezeichnete Erfolge und großes Lob verbuchen. Es blieb den Aktiven auch keine andere Wahl als zu üben, denn für eine Befreiung oder unentschuldigtes Fernbleiben mußten z. B. 1923 500 Mark entrichtet werden. Es war zwar die Zeit der grassierenden Inflation, aber ein finanzielles Druckmittel war es allemal.

Am 14. November 1923 brannte das Hardt-Gütl in der Grenzleiten total ab, wobei die " Kompanie" aktiv eingriff.

Bei der Generalversammlung am 6. Januar 1924 konnte Kassier Wagner nur mehr die gänzliche Verarmung des Vereins durch die große Geldentwertung feststellen. Als Gegenmaßnahme beschloß die Versammlung einen Mitgliedsbeitrag von 50 Goldpfennige für Aktive und eine Goldmark von den Passiven. Jedes unentschuldigte Fernbleiben bei Übungen kostete nun 50 Goldpfennige und eine jährliche Übungsbefreiung 2 Goldmark. Am Ende der Generalversammlung spendete Wagner als Grundstock für die verarmte Kasse 1.-- Rentenmark. Weitere Gönner steigerten diesen Betrag auf 15.-- Mark, so daß das neue Jahr mit diesem Kassenbestand beginnen konnte.

Durch Brandstiftung wurde am 26. September 1924 auf dem Niedermaieranwesen Holzschupfe und angrenzender Stadel zerstört. Durch ihr rasches Eingreifen konnte die Feuerwehr das Wohnhaus retten. Auch Kraiburg half dabei aktiv mit.

In diesem Jahr gab es einen Zuschuß des Bezirks-Feuerwehrverbandes von 30.-- Mark, wovon sich die Wehr mehrere "Joppen" beschaffte.

Um ihre Kasse aufzubessern, verkaufte der Verein Lotterielose bei den Gemeindemitgliedern oder veranstaltete in ihrem Vereinslokal beim Wirt in Wanglbach eine vorweihnachtliche Christbaumversteigerung und gut besuchte Jahresbälle.

Am 30. Oktober 1925 rückte die Feuerwehr zum Stenger in Brand aus, bei dem der Stadel und teilweise der Stall in Flammen standen und am 13. Juni 1926 nach Wanglbach, hier brannte das alte Wirtshaus.

Gerne hätte sich die Wehr chemische Löscher zugelegt, aber wegen der schwierigen Finanzlage mußte deren Kauf zurückgestellt werden.

1927 konnte die Maxloner Wehr bei der Inspektion wieder Lob und Anerkennung ernten.

Am Gründonnerstag, den 28 März 1929 brannte trotz sofortiger Rettungsversuche das Wohnhaus des Mesners Johann Brandl in Maximilian ab.

Ein Jahr später am Ostersonntag, 20. April, fiel die Säge der Bruckmühle den Flammen zum Opfer.

In diesem Jahr starb Vorstand Johann Käsmaier und der Kolberer Johann Praßl von Kolbing wurde dessen Nachfolger als Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins. Bei der Generalversammlung am 6. Januar 1931 konnte Praßl den Mitgliederstand von 92 Aktiven und 38 Passiven bekanntgeben. Diesmal genehmigten die Anwesenden den Kauf von 5 Handfeuerlöschern um den Preis von 200.-- Mark je Stück.

Das Dritte Reich brachte auch der Feuerwehr Maximilian gravierende Veränderungen. Am 13. Januar 1935, zwei Wochen vor der Einvernahme der Gemeinde Maximilian durch den Markt, veranstaltete der Verein in Wanglbach seine jährliche Generalversammlung. Es sollte für lange Zeit die letzte sein! Zur Eröffnung hörte man auch hier den "Deutschen Gruß". Anschließend berichtete Johann Praßl - Kolbing, daß die Tätigkeit im vergangenen Jahr sehr intensiv gewesen sei, denn die neue Exerzierweise erfordere anstrengenden Dienst und viel Aufmerksamkeit. Staunen gab es bei den Kameraden, als Kommandant Jackl sein Rücktrittgsgesuch an die Landesbranddirektion bekannt gab. Vermutlich störten ihn die Sonntag vormittags verordneten Appelle, bei denen es die Partei in ihrer Gegnerschaft zur Kirche so einzurichten wußte, daß diese gerade zum Gottesdienst auf dem Marktplatz stattfanden. Als gutem Katholiken war ihm natürlich seine sonntägliche Christenpflicht heilig. Zu seinem Nachfolger schlug er den bisherigen Adjutanten Alois Praßl von Winklham vor, der daraufhin zu einem Führerkurs nach Mühldorf beordert wurde.

Ein Jahr lang konnte die Freiwillige Feuerwehr Maximilian - trotz Verlust der kommunalen Selbstverwaltung - ihre Eigenständigkeit bewahren. Am 1. Januar 1936 schlug auch für sie die Stunde auf Betreiben des Landesfeuerwehr-Verbandes, der in einem Schreiben vom 17. Januar 1936 auch die Eingliederung regelte:

"Auf Grund der Verfügung vom 30.11.35 wurden die in der Gemeinde bestehenden selbständigen Freiwilligen Feuerwehren mit Wirkung vom 1.1.36 an in das diesseitige Grundbuch mit dem Namen eingetragen:

Freiwillige Feuerwehr Kraiburg, BA Mühldorf, mit den Abteilungen Kraiburg und Maximilian

Am Gerätestand der Abteilung und dessen Unterbringung ändert sich nichts, auch nicht in den Rechten der Mitglieder.

Die Verwaltungsdienstgrade der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg und der Zeugmeister der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr Maximilian bleiben im Amt.

Der Kommandant der nunmehrigen Abteilung Maximilian führt die Dienstbezeichnung "Abteilungsführer".

Die Verwaltungsdienstgrade (Vorstand, Schriftführung und Kassier) der bisherigen selbständigen Feuerwehr Maximilian sind mit dem 31.12.35 aus dem Amt ausgeschieden und haben die Akten der Führung der Freiwilligen Feuerwehr Kraiburg übergeben.

Landesbranddirektor"

Die Eingliederung der Freiwilligen Feuerwehr Maximilian nach Kraiburg brachte auch dort Änderungen mit sich. Aus ihren bisherigen 3 Kompanien bildete man nun 2 Löschzüge, im 3. Löschzug diente künftig die Maxloner Wehr mit Alois Praßl von Winklham als dessen Abteilungs- und Zugführer.

Fast 10 Jahre standen sie unter dem Kommando der Kraiburger, konnten sich aber mit ihnen nie richtig anfreunden. So blieben die Maxloner lieber ihrer Feuerwehrheimat treu und trafen sich in freien Stunden beim ehemaligen Herbergsvater, um von vergangenen Zeiten zu träumen. Kein Wunder, daß die Maxloner Feuerwehrmänner schon bei der ersten Nachkriegs-Ausschußsitzung am 14. Juli 1945 gemeinsam ihren Austritt erklärten, obwohl im kommunalen Bereich nachwievor alles beim alten blieb. Unterstützung fanden sie beim Kreisbrandinspektor Mauerer, der ihnen zu einem selbständigen Neubeginn am 1. August 1945 verhalf. Alois Praßl übernahm dabei, von einem kleinen Häufchen übriggebliebener Feuerwehrmänner aufgefordert, als kompetente Person wieder die Führung der Wehr; Alfons Manger wurde Vorstand. 26 Kameraden waren in dem wahnsinnigen Krieg gefallen und 14 immer noch vermißt. Für den Rest der Truppe war die neue Selbständigkeit anfangs nicht von Vorteil. Die Moral sank, Interesselosigkeit und eine gewisse Abneigung gegen jede militärisch geführte Vereinigung ließen Übungen zum Fiasko werden. Erschienen im April 1947 noch 18 Mann und 3 Chargen, waren es im September gerade 11 Mann und wieder 3 Chargen, so daß Kommandant Praßl scharfe Kritik übte.

Bei der Generalversammlung im Februar 1948 konnte der Vorstand die aus der Gefangenschaft heimgekehrten Kameraden Franz Rottmeier, Josef Bernhard und Josef Söllner begrüßen. In Rußland wurden derweil noch festgehalten: Wastlhuber Max, Wastlhuber Franz, Rannetsperger Sebastian, Voglmaier Anton, Käsmaier Leonhard, Bernhard Johann, Schiller Peter und Ohni Sebastian. Der Vorstand sprach den Wunsch aus, auch sie bei der nächsten Generalversammlung begrüßen zu können.

Weiter sprach er davon, daß das vergangene Jahr "angefüllt war von Sorgen und Kampf zur Erhaltung des bißchen Lebens, das uns nach dem traurigen Ende des Krieges noch belassen wurde. Auch die Freiwillige Feuerwehr ist an der Zahl seiner aktiven Kameraden stark verringert worden, wie auch die Tätigkeit nur noch auf die gründliche Ausbildung an den Löschgeräten beschränkt ist. Dafür aber wird im Brandfalle auf beste Zusammenarbeit bei der Inbetriebsetzung der Löschgeräte allergrößter Wert gelegt."

1949 ging die Saug- und Druckspritze samt dem Schlauchmaterial von ca. 130 - 140 Meter Länge in den Besitz der Feuerwehr über.

In der Vorstandschaft gab es ebenfalls einen Wechsel. Alois Praßl überließ das Amt des Kommandanten einem Jüngeren und wurde dafür zum Vorsitzenden gewählt.

Josef Söllner war der richtige Mann, um die Freiwillige Feuerwehr Maximilian in die Zukunft zu führen. Er verstand es, seine Altersgruppe für den Dienst am Nächsten zu begeistern. Schon bei der Generalversammlung im Februar 1951 konnte der Vorstand über "vorbildliches, kameradschaftliches Zusammenarbeiten nicht nur bei geselligen Veranstaltungen sondern auch bei den Übungen" berichten. Diese Kameradschaft veranlaßte Landrat Weggartner 1953 zu der Aussage: "Innerhalb der Maximilianer Wehr besteht ein Verhältnis, wie es wohl selten in einer Gemeinde und bei den Feuerwehren vorhanden ist."

Neue Schläuche für die altertümliche handbetriebene Spritze wurden besorgt. Der Erlös aus den beliebten Christbaumfeiern und Vereinsbällen diente zur Beschaffung von Feuerwehrmützen und Joppen. Der größte Wunsch des Kommandanten aber war eine neue Motorspritze für seine Wehr. Er forderte deshalb im Januar 1951 bei der Firma Albert Ziegler in Giengen an der Brenz eine Preisliste der Leichtkraftspritze TS 4/4 an. Bei der folgenden Generalversammlung in Februar ersuchte Söllner dann Bürgermeister Brandl um den Kauf dieser Motorspritze. Aber Brandl - obwohl selbst Maxloner und für die Belange der Feuerwehr immer aufgeschlossen - sah keine Möglichkeit, da wegen Erweiterung des Krankenhauses und anderer geplanter Bauvorhaben kein Zuschuß gewährt werden konnte. Der Vorschlag des Bürgermeisters, die Finanzierung der Motorspritze durch Zeichnung von Anteilen zu unterstützen, wurde abgelehnt.

Kommandant Söllner ließ jedoch nicht locker. Nachdem die Gemeinde für die Renovierung des Feuerwehrhauses bei Sachs 550.-- DM an Zuschuß bewilligte, erledigten dies die Floriansjünger in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit selbst und legten noch 500.-- DM dazu. Vor soviel Idealismus konnten sich selbst Gemeinde und Freiwillige Feuerwehr Kraiburg nicht verschließen. Am 21. April beschlossen sie, ein Löschgerät zu kaufen; aber nicht die TS 4/4 sondern die nächst schwerere Version TS 6 - eine Gutbrodt-Pumpe - die auf einem TSA Transportanhänger montiert war. Der luftgekühlte Zweizylinder-Zweitakt-Benzinmotor mit ca. 18 PS schaffte 600 - 1 000 Liter in der Minute. Der Preis betrug 4 478.60 DM nebst Zubehör und 60 Meter B-Schlauch, wobei der Staat 1 154.-- DM Zuschuß gewährte. Ein alter Transportwagen mit Schlauchhaspeln wurde ebenfalls dafür in Zahlung gegeben.

Wie schon einmal in der Geschichte, lehnten mehrere Maxloner auch die Beschaffung dieser Spritze ab. Auf einen diesbezüglichen Brief des Kommandanten antwortete daraufhin der Vertreter der Firma Ziegler: "Wenn es Bauern gibt, die wegen Wassermangel die Beschaffung einer Motorspritze ablehnen, so müssen Sie diesen erwähnen, daß es ja mit einer Ziegler-Tragkraftspritze möglich ist, auch in solchen Fällen mit Odel die erste Brandhilfe zu leisten."

Am 1. August traf die neue Motorspritze in Kraiburg ein und wurde am 11. abends 18.00 Uhr der Freiwilligen Feuerwehr Maximilian durch Kreisbrandinspektor Mauerer übergeben. Nach einer Einweisung der Bedienungsmannschaft durch die Firma Ziegler, stellte Kommandant Söllner beglückt fest, daß sich nun für Kommando und Kameraden ein ganz ungeahntes Tätigkeitsfeld hervorgetan hätte.

Im Vereinsleben gab es ebenfalls viele Aktivitäten, der Höhepunkt aber war das 55jährige Gründungsfest 1953, verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne.

Als die Nachbarwehr Kraiburg noch lange nicht an eine neue Fahne dachte, verwirklichte dies die selbstbewußte Freiwillige Feuerwehr von Maximilian. Mit ihrer alten Standarte konnten sie keinen Staat mehr machen, so mußten sie sich traditionsgemäß wohl oder übel eine neue Fahne beschaffen. 2 280.-- DM - viel Geld, aber eine Sammlung erbrachte immerhin 1 261.-- DM und die Banken beteiligten sich auch mit 648.20 DM, so blieben für den Verein nur mehr 370.80 DM an Ausgaben übrig.

Am Samstag, den 27. Juni 1953 begann nach mehrwöchigen Vorbereitungen das Fest, von dem die alten Maxloner heute noch schwärmen. Anfangs sah es zwar aus, als wolle der Wettergott nicht mitfeiern, dann aber, wenige Stunden zuvor, ließ er den Jubelverein doch nicht im Stich.

Ein Begrüßungsabend im Festzelt vor dem Gasthaus in Wanglbach überraschte alle Besucher mit hervorragenden Darbietungen. Landrat Weggartner bezeichnete es als einmalig, was dabei aufgeboten wurde. Eine Tombola mit 200 Preisen - von der Seife über Rauchfleisch zum Nachttopf - alles was man zum täglichen Leben brauchen konnte, bildete den Höhepunkt.

Böllerschüsse kündigten am 28. Juni den großen Festtag an. 52 Vereine aus den Kreisen Mühldorf und Wasserburg hatten sich eingefunden, unter ihnen die Kraiburger Freiwillige Feuerwehr mit 17 Mann. Die Feuerwehr aus St. Erasmus übernahm die Patenschaft und war mit 25 Mann erschienen.

Ein unvergeßliches Bild zeigte der Kirchenzug. Im Garten des Gasthauses Weidinger hatte man einen Altar aufgebaut, an dem Pfarrer Esterbauer den feierlichen Feldgottesdienst zelebrierte. In seiner Festpredigt beschrieb er die neue Fahne, die auf der einen Seite das Bild des hl. Florian und die beiden Filialkirchen Maximilian und Kolbing zeigt und auf der anderen das friedliche Handwerkszeug der Feuerwehr. Den Anwesenden rief er zu: "Wehret das Feuer! Wie oft habt Ihr diesen Schreckensruf schon vernommen und wie oft hat das gewaltige Element des Feuers schon in das Besitztum des Menschen hineingegriffen und hat Hab und Gut zerstört. Der Herrgott hat die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde erschaffen. Sie waren eine Gottesgabe. Die ersten Menschen haben nicht nur das Gebot Gottes übertreten, sondern haben auch mit frevelnder Hand in das Handwerkszeug des Allmächtigen gegriffen und seit dieser Zeit richten sich die Elemente gegen die Menschen. Dann schlägt Euere Stunde, Männer der Feuerwehr, und Ihr wehrt die Gewalt des Feuers unter Einsatz Eueres Lebens ab. Für diese opfervollen Einsätze möchte ich Euch aus ganzem Herzen danken. Es gilt aber auch, die Flamme des häuslichen Friedens und der ehelichen Treue zu erhalten. Denkt daran, daß an Eueren häuslichen Herden die braven Frauen jahraus, jahrein still und bescheiden ihren Beruf erfüllen. Laßt deshalb ein heiliges Feuer in der ehelichen Gemeinschaft aufgehen! Euere Fahnenweihe ist eine heilige Verantwortung für jeden einzelnen. Fahnen sind Rufzeichen Gottes. Jede Fahne, die geweiht ist, ist ein lebendiges Symbol gleich einer brennenden Fackel. Nehmt sie hin diese Euere Fahne und wehrt die Flammen des Feuers, wehrt die Flammen der Leidenschaft und vermehrt die Flamme Christi."

Es folgte die Weihe der neuen Fahne und die Heldenehrung am Kriegergrab. Maria Freiberger sprach den Prolog für die 46 gefallenen Mitglieder beider Weltkriege: "Denkt an die blauen Augen, die nicht mehr das Antlitz der Heimat schauen." Fahnenmutter Elise Praßl von Winklham und Fahnenbraut Maria Sachs überreichten ihre Bänder, während Schulmädchen Gedichte vortrugen.

Bürgermeister Brandl umriß in seiner Ansprache die 55jährige Geschichte des Vereins und stellte fest, daß seit Bestehen der Wehr 420 Mitglieder aufgenommen wurden, die dann auch 60 mal bei Bränden eingesetzt waren.

Beim Festzug am Nachmittag war als Tafeljunge für den Zimmererverein Kraiburg auch jener Georg Stenger dabei, der keine 20 Jahre später die Geschicke der Feuerwehr in die Hand nehmen sollte.

Bei der nächsten Generalversammlung am 19. März 1954 ließ Schriftführer Franz Oberwesterberger noch einmal das Fest vor den Kameraden Revue passieren.

Kommandant Söllner gab den aktuellen Mitgliederstand von 30 Aktiven bekannt, die eine Aufstellung von 3 Löschgruppen ermöglichten; die Zahl der Passiven betrug 58. In einem Rückblick auf die verflossenen 5 Jahre berichtete er von 40 Übungen, 2 Probealarmeinsätzen, 2 Brandeinsätzen, 6 Beerdigungen von Feuerwehrkameraden, 5 Feuerwehrbällen, 13 Feuerwehrfesten und 2 Primizen. Das Feuerhaus hatte man in Gemeinschaftsarbeit instand gesetzt, und der Verein beschaffte 150 Meter B-Schläuche, 60 Meter C-Schläuche, 20 Uniformen sowie 25 Feuerwehrmützen. Söllner dankte besonders Bürgermeister Brandl und den Gemeinderäten für die Unterstützung, ebenso dem Maschinisten Franz Jackl, der eine Lichtanlage in die Löschgeräte eingebaut hatte.

Bei der anschließenden Wahl blieb alles beim alten:

Vorstand Alois Praßl

Kommandant Josef Söllner

Stellvertreter Johann Bernhard

Schriftführer und Kassier Franz Oberwesterberger

Zeugwart Josef Getschberger jun.

Fähnrich Matthias Ebenbichler

Was so hoffnungsvoll begann, endete am 27. September 1955 mit dem plötzlichen Tod des Kommandanten. Der Verein war wie gelähmt, denn er verlor mit ihm den "besten Kameraden, der durch seinen Pflichteifer und durch seine vorbildliche Dienstauffassung immer ein leuchtendes Beispiel gab." Sein Einfluß war so stark, daß kurz nach seinem Tod einige Männer den Verein verließen oder einfach keine Versammlung und Übung mehr besuchten.

Als Nachfolger bis zur nächsten Generalversammlung bestimmte der Verein im November den Stellvertreter Johann Bernhard.

Die nächste Versammlung führte dann nach turbulenten Szenen zu einem Neuanfang auch im Amt des Vorsitzenden, das nun Johann Käsmaier übernahm. Max Berndl wurde für die nächsten Jahre als Kommandant gewählt.

Herausragendes Ereignis dieser Periode war die Beschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeugs - TSF - T VW-Kombi von der Firma Ziegler/Giengen an der Brenz am 1. Dezember 1958. Dessen Kosten betrugen samt Einbauteile 7 857.-- DM, die folgendermaßen aufgebracht wurden:

Zuschuß des Landkreises 2 000.-- DM

von der FFW Maximilian 500.-- DM

Jagdgenossenschaft 500.-- DM

Zuschuß des Staates 1 583.-- DM

Zuschuß des Marktes 2 074.-- DM

Der Verkauf des bisherigen und nicht mehr benötigten Transportanhängers TSA brachte noch einmal 1200.-- DM.

Mit ihrem Beitrag von 500.-- DM hatte sich der Verein allerdings auch fast verausgabt. So beschloß der Ausschuß, in Maximilian eine Sammlung durchzuführen, die dann immerhin

583.-- DM einbrachte.

Neben ihren Feuerwehreinsätzen und Übungen schätzten Florians Jünger das gesellige Leben. Tätigkeitsberichte und Kassenabrechnungen weisen auf Bewirtungskosten, Fahnenweihen, Feuerwehrbälle, Christbaumversteigerungen und Ausflugsfahrten hin. Trotzdem vermehrte sich das Vermögen unter der tüchtigen Hand des Kassiers.

1962 wurde Schlossermeister Georg Jackl neuer Kommandant. Eine besser ausgerüstete Wehr - wofür man Gerätschaften um fast 600.-- DM anschaffte - und vor allem die Errichtung eines neuen Feuerwehrhauses lagen ihm sehr am Herzen. Ungünstige Örtlichkeiten erforderten dringend einen Neubau. Die Wirtsleute von Wanglbach hatten dafür schon 1960 den Grund - Plan Nr. 710, schräg gegenüber der Wirtschaft, mit ca. 300 qm in Aussicht gestellt. Probleme um diesen Standort gab es nur von seiten des Straßenbauamtes wegen einer Ausfahrt. Am 18. September 1962 schrieb deshalb Bürgermeister Brandl nach Rosenheim und erwähnte dabei, "daß die Marktgemeinde gewillt wäre, die für die Erbauung des neuen Feuerwehrhauses erforderliche Teilfläche käuflich zu erwerben. Ohne Ausfahrt wäre ein Kauf zwecklos....."

Von der Feuerwehr Maximilian ging am 24. September 1962 ein offizielles Schreiben an die Verwaltung der Marktgemeinde, in dem die Gründe erläutert wurden, die einen Gerätehausneubau erforderten.

"1. Die jetzige Einstellmöglichkeit ist vollständig ungeeignet, da in diesem Abstellraum auch andere landwirtschaftliche Geräte untergebracht sind und somit die Ein- und Ausfahrt sehr verengt ist. Auf Grund dieser Einengung ist der Fahrer gezwungen, auf der rechten Seite ein- und auszusteigen.

2. Die Garage ist dermaßen feucht, daß an dem neuen Löschfahrzeug bereits größere Lackschäden entstanden sind. Diese Schäden sind so groß, daß der Wagen unbedingt neu gespritzt werden muß.

3. Eine Unterbringung der Schutzanzüge und dergleichen ist vollkommen ausgeschlossen.

4. Die Zufahrt zum Abstellraum ist einerseits durch einen Vorhaus-Anbau, andererseits durch eine Kalkgrube derart eingeeingt, daß nur noch ein routinierter Fahrer imstande ist, den Wagen aus der Garage zu fahren und nachts ist dies ohne Beisein eines Einordners fast unmöglich.

Aus obigen Gründen ersuchen wir die Verwaltung der Marktgemeinde Kraiburg den vorgeschlagenen Grund - Plan Nr. 710 - des Gastwirts Franz Weidinger käuflich zu erwerben und dem geplanten Bau des Gerätehauses zuzustimmen...."

Schützenhilfe bekam die Wehr auch vom Technischen Prüfdienst, der im November 1962 die Unterbringung der Löschgeräte als "ungenügend und feucht" bemängelte und auch die enge Ausfahrt und das Fehlen eines Trockenturmes kritisierte.

Auf eine Bauanfrage an das Landratsamt Mühldorf vom 4. Januar 1963 antwortete dieses jedoch am 26. September "Nach Mitteilung des Straßenbauamtes Rosenheim vom 9. August 1963 kann der Erteilung einer Bauerlaubnis für das Grundstück Fl. Nr. 710 Gemeinde Kraiburg mit Rücksicht auf die Sicherheit des Verkehrs nicht näher getreten werden. Die bestehende Zufahrt zum Grundstück dient lediglich der landwirtschaftlichen Nutzung......"

Damit war dieses Projekt vorerst gescheitert und der Verein zog die Bauanfrage beim Landratsamt zurück.

Die Wirtsleute aber hätten schon gerne die Feuerwehr in ihrer Nähe gewußt und so boten sie ihnen den Grund Plan Nr. 708 direkt gegenüber der Wirtschaft auf Erbbaurecht an. Hier schien alles günstiger zu verlaufen; Baumeister Ludwig Schechtl fertigte im März 1964 kostenlos einen Plan nach dem Vorbild des Zeilinger Gerätehauses an. Ebenso erstellte er den Kostenvoranschlag, der sich auf 18 367,10 DM belief. Im August wurden noch Formblätter zur Beantragung öffentlicher Mittel für die Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses angefordert, dann aber gibt es keine Belege mehr über Aktivitäten irgendwelcher Art, die zu einem neuen Haus geführt hätten. Irgendeine Behörde scheint sämtliche Bau- und Zuschußanträge boykottiert zu haben. Im Tätigkeitsbericht der Generalversammlung vom 19. März 1966 wurde dies folgendermaßen formuliert: "Leider konnte mit dem Neubau unseres dringend notwendigen Gerätehauses auf Grund unbekannter Ursachen immer noch nicht begonnen werden. Wir wollen hoffen, daß uns das Jahr 1966 endlich dazu verhilft."

In dieser Hoffnung sollte die Feuerwehr Maximilian auch verbleiben, was jedoch am Ende zu einem Neubeginn mit den Kameraden in Kraiburg führte.

Erzielte die Feuerwehr bezüglich ihres Gerätehauses keinen Erfolg, die Bilanz ihrer aktiven Tätigkeiten konnte sich jedoch sehen lassen. 1963 z.B. gab es zwar keine Brandeinsätze, es wurden aber 18 Übungen abgehalten, dazu eine Großübung und eine Einsatzübung; 2 Löschgruppen erwarben außerdem das Leistungsabzeichen. Jährlich gut besuchte Feuerwehrbälle, Ausflüge und die Teilnahme an Fahnenweihen rundeten das gesellschaftliche Vereinsleben ab. Bei der Mitwirkung an Fronleichnamsprozessionen konnte es dann schon vorkommen, daß man die Vereinsfahne in der Kirche vergaß.

Die Generalversammlung am 11. Februar 1967 brachte keine wesentliche Veränderung in der Vorstandschaft: Johann Käsmaier blieb Vorstand, Georg Jackl Kommandant, Josef Wastlhuber Schriftführer und Kassier, Franz Jackl Maschinenwart, Franz Oberbacher Beisitzer und Josef Kuhn Fähnrich; als Zeugwart wurde Helmut Scheitzeneder gewählt.

Wie alle Jahre stand auch diesmal wieder der Bau des dringend benötigten Feuerwehrhauses auf der Tagesordnung. Es wurde wie immer viel geredet und diskutiert, man sah jedoch keinen Erfolg, wollte aber auch keine Notlösung akzeptieren.

Mittlerweile hatten die Gemeinde und die Wehr aus Kraiburg ihre Bereitschaft bekundet, das eigene Feuerwehrhaus für die Maxloner zu öffnen. Dieses Angebot, ein Jahr später in der Generalversammlung von Kommandant Jackl vorgetragen, löste bei einigen Mitgliedern Bestürzung aus. Es folgte eine "kritische Auseinandersetzung über das Amtieren und Weitermachen der alten Vorstandschaft". Von Kommandant Jackl befragt, ob sie unter den gegebenen Umständen weitermachen wollten, antworteten Käsmaier, Berndl und Oberbacher mit "nein",. Wastlhuber legte das Amt nieder und verließ zornig und wütend das Lokal; Hermann Brunner trat als aktiver Feuerwehrmann zurück. Franz Jackl blieb und Georg Stenger sowie Sebastian Ober wurden zu Gruppenführern ernannt.

An diesem Abend sahen einige das Ende der selbständigen Feuerwehr Maximilian vor Augen; Vorstand Käsmaier konnte sich gar der Tränen nicht erwehren.

Diese führerlose Situation erforderte am 19. April 1968 in einer außerordentlichen Generalversammlung die Neuwahl der Vorstandschaft. 35 Mitglieder waren erschienen, die nun Josef Huber zu ihrem Vorstand wählten. Stellvertretender Vorsitzender und stellvertretender Kommandant wurde Max Berndl, Schriftführer und Kassier Helmut Scheitzeneder, Beisitzer und Kassenprüfer Franz Eder und Alois Fürstenberger, Kommandant Georg Jackl, Zeugwart Konrad Stenger, Vertrauensleute Alois Fürstenberger, Hermann Getschberger, Johann Kifinger.

Nach einer folgenden Abstimmung wurde der Vorschlag über den Einzug in das Kraiburger Feuerwehrhaus einstimmig angenommen.

Ein Jahr später, bei der Jahreshauptversammlung am 15. März 1969, gab dann der Verein das Grundstück, das er für den geplanten Bau des Feuerwehrhauses auf Erbbaurecht erworben hatte, dem Besitzer zurück.

Der Mitgliederstand betrug jetzt 86 Mann, wovon 34 zu den Aktiven gehörten, die sich wiederum in 3 Abteilungen aufteilten - Wanglbach, Kolbing und Maximilian; 52 waren passiv. Der Kassenstand zeigte durch die gute Führung des ehemaligen Kassiers Wastlhuber ein Plus von 3 511.98 DM. Erwirtschaftet wurde der Überschuß hauptsächlich aus Feuerwehrbällen, Beiträgen und Zinsen. In diesem Jahr kam noch ein Zuschuß von der Jagdgenossenschaft über 1000.-- DM hinzu.

Der Tätigkeitsbericht weist nun 3 Brandeinsätze, 2 Großübungen, 10 Übungen und das Leistungsabzeichen der III. Löschgruppe auf. Hinzu kamen noch 1 Auffrischungsübung für ältere Jahrgänge und zur Feuerschutzwoche eine Schauübung.

Im Frühjahr 1971 fand eine komplette Übung mit Feuerwehrhausbesichtigung in Kraiburg statt, "das ja die meisten noch nicht von innen kennen."

Das 75jährige Jubiläum war für die Freiwillige Feuerwehr Maximilian Grund genug, ihre Generalversammlung am 4. März 1972 mit einer kleinen Feier zu verbinden. Bewußt hatten sie auf ein größeres Fest verzichtet. Landrat Rambold war dennoch anwesend und überreichte das Feuerwehr-Ehrenkreuz an Franz Söllner, Franz Jackl, Valentin Huber und Max Berndl für ihren 25jährigen aktiven Dienst. Für mehr als 70 Jahre Freiwillige Feuerwehr wurden Franz Kifinger, Berg und Josef Söllner, Gundlprechting geehrt. Auch eine Neuwahl gab es an diesem Tag; Schlossermeister Georg Jackl stellte sich nach 10jähriger Kommandantentätigkeit aus beruflichen Gründen nicht mehr zu Verfügung. Die Wahl fiel auf den bisherigen Zugführer Georg Stenger - eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Vorerst allerdings wurde er als Befürworter der Vereinigung von Maximilian und Kraiburg von einigen Männern der Wehr boykottiert.

Diese optimale Lösung aller bestehender Probleme strebte vor allem der Amtmann und spätere Bürgermeister Emil Storfinger an, der dafür extra dem Verein beitrat. Er sah darin auch einen Kostenfaktor, da beide Wehren von der Gemeinde unterstützt werden mußten - Maximilian bekam z. B. 1972 Funkgeräte und 1973 2 300.-- DM; Kraiburg 3 100.-- DM. In der Ausschußsitzung vom 31. Oktober 1973 klärte er deshalb die versammelte Mannschaft über dieses Problem auf. Hinzu kam, daß Kraiburg durch den Rücktritt von Walter Prinz ohne Kommandanten dastand und bei der letzten Ausschußsitzung einstimmig für den Zusammenschluß im aktiven Teil votierte. Ihr Wunschkandidat als gemeinsamer Kommandant war der dynamische Georg Stenger. Solchen Argumenten konnte sich der Ausschuß nicht verschließen und beschloß einstimmig die Vereinigung der Aktiven.

Am 3. November 1973 folgte eine gemeinsame Ausschußsitzung beider Wehren mit Bürgermeister Storfinger, den Gemeinderäten und Kreisbrandinspektor Hansmaier. Der Vorstand der Kraiburger Wehr, Heinrich Eder, gab dabei die feste Zusage, daß sein Verein diesmal keinen ersten Kommandanten stellen wolle; dessen Stellvertreter müsse allerdings jeweils aus der anderen Wehr stammen. Außerdem müßte für 10 aktive Mitglieder je ein Löschmeister gestellt werden. Hansmaier forderte eine Änderung der Feuerwehrabzeichen in "Kraiburg-Maximilian" und erklärte, daß die Wehr durch ihre Zusammenlegung wesentlich schlagkräftiger würde - womit er, wie sich später herausstellte, Recht behalten sollte.

Einen Schlußstrich unter diese Debatte zog die Freiwillige Feuerwehr Maximilian bei ihrer außerordentlichen Generalversammlung am 9. November 1973. Nach erneut heftiger Diskussion stimmten von 45 anwesenden Wahlberechtigten 32 mit "Ja", 10 mit "Nein", 3 Stimmen waren ungültig. Somit stand einer Vereinigung beider Wehren im aktiven Teil für 1974 nichts mehr im Wege.

Für Kommandant Stenger aber begann eine harte Zeit, da diese Entscheidung nicht von allen Mitgliedern getragen wurde. Bei der nächsten Maximilianer Jahreshauptversammlung im März 1974 wandte er sich deshalb mit scharfen Worten "gegen einige Quertreiber innerhalb der Wehr, die Beschlüsse mißachten und Unfrieden innerhalb der Feuerwehr stiften wollen." Entscheidungen über Maßnahmen gegen diese Mitglieder wurden nach rege geführter Aussprache an den Verwaltungsrat der Feuerwehr verwiesen, der satzungsgemäß dafür zuständig war.

Ein Jahr nach der Zusammenlegung hatten sich die Wogen der Erregung geglättet und Stenger konnte der versammelten Mannschaft berichten, daß sich die Fusion bewährt habe. Es herrsche bei Übungen, Einsätzen und gesellschaftlichen Veranstaltungen bestes Einverständnis.

Die Zusammenlegung nur im aktiven Teil war ein hervorragender Schachzug von Bürgermeister Storfinger. So konnten sich beide Wehren ihr separates Vereinsleben weiterhin bewahren bis die Zeit reif war, auch den letzten Schritt zu wagen.

Den ersten Ansatz dazu gab es 1987, als Vorsitzender Josef Huber von der Feuerwehr Maximilian den Kraiburger Verein zur ersten gemeinsamen Generalversammlung im Gasthaus zu Wanglbach begrüßen durfte. Von nun an trafen sich beide Vereine jährlich abwechselnd im jeweils anderen Ort, um ihre Generalversammlung abzuhalten. Vorstände, Schriftführer und Kassierer berichteten dann von Aktivitäten, Wünschen und Kassenabschlüssen ihres eigenen Vereins.

Auch gemeinsame Feste, Feiern und Erfolge halfen gegenseitigen Argwohn langsam abzubauen und Vertrauen in eine neue Zukunft zu stärken. Eine behutsame, wirkungsvolle Prozedur, die ihren Zweck nicht verfehlte.

1989 beschloß man dann auch, bei der Generalversammlung im nächsten Jahr die endgültige Verschmelzung der Freiwilligen Feuerwehren Kraiburg und Maximilian zu wagen. Eine neue Satzung sollte dies regeln. Mit der künftigen Vereinigung ging auch das beträchtliche Vermögen von Maximilian auf die neue Gemeinschaft über. Davon sollte vorher allerdings die Restaurierung der desolaten Fahne von 1953 und der Bänder bezahlt werden. Die Kosten dafür beliefen sich immerhin auf 5 496.62 DM bzw. 1 809.86 DM.

Als dann am 7. April 1990 im Gasthaus Rosenberger unter Beisein von Landrat Rambold, Bürgermeister Schlagmann, Gemeinderäten und der Kreisbrandinspektion das Vereinigungszeremoniell stattfand, gab es keine Stimme mehr dagegen. Auch die neue Satzung wurde einstimmig angenommen - keine 20 Jahre zuvor wäre dies völlig undenkbar gewesen.

In Dank und Anerkennung für seine Leistungen als Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Maximilian wurde Josef Huber daraufhin zum Ehrenvorstand ernannt und mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Endgültig besiegelte man das Bündnis am 2. September 1990 mit einer Feier im ehemaligen Vereinsheim Weidinger-Bätz in Wanglbach. Mit 3 710.30 DM "Begräbniskosten" ließ sich der Verein dabei wahrlich nicht lumpen.

 

Freiwillige Feuerwehr Markt Kraiburg am Inn

Die Zusammenlegung beider Vereine erforderte nun auch eine neue Vorstandschaft. Aus dieser Wahl ging Anton Hinterholzner als Vorstand hervor und Rudolf Ziegler als dessen Stellvertreter. Weiters wurden durch Akklamation gewählt:

Kassier Johann Kifinger

Schriftführer und Chronist Peter Esterer

Beisitzer Alfons Brandl, Josef Ohni, Peter Christan, Franz Ziegler, Franz Stenger jun., Gregor Kifinger und Fred Harwalik

Kassenprüfer Franz Eder und Peter Voglmaier

Bei den Aktiven der Feuerwehr gab es 1990 ebenfalls eine Neuwahl. Die Versammlung fand im November unter Beteiligung zahlreicher Gäste im Gasthaus "Stolzbräu" statt. Wie zu erwarten, wurde Kommandant Stenger für weitere 6 Jahre bestätigt. Mittlerweile konnte Stenger auf über 18 Jahre Kommandantentätigkeit zurückblicken - 2 Jahre bei der Feuerwehr Maximilian und mehr als 16 Jahre im vereinigten aktiven Teil beider Wehren. Als zweiter Kommandant löste der bisherige Jugendwart Franz Oberpaul Anton Hinterholzner ab, der im Frühjahr das Amt des ersten Vorstandes übernommen hatte. Um die Jugendfeuerwehr kümmerte sich nun Franz Ziegler.

In seinem Tätigkeitsbericht der verflossenen 6jährigen Wahlperiode wies Stenger auf 24 Brandeinsätze und 143 technische Hilfeleistungen hin. Der aktive Mitgliederstand betrug nun 78 Mann, wovon 10 der Jugendfeuerwehr angehörten. 77 Mann legten Leistungsprüfungen ab, 5 Kameraden erwarben den Bootsführerschein und ebenfalls 5 besuchten Lehrgänge in Regensburg. Auch das Funkerzeugnis erwarben 5 Wehrmänner. Im Atemschutz waren 16 Mann ausgebildet. Wie der Kommandant weiter ausführte, standen für die Alarmierung 2 Sirenen, 18 Funkalarmempfänger und 1 Funkfeststelle zur Verfügung. An Einsatzfahrzeugen befanden sich im Gerätehaus am Bleicher 1 Löschfahrzeug - LF 8, 1 Tanklöschfahrzeug - TLF 16, 1 Mehrzweckfahrzeug - VW Kombi, ein Rüstwagen - RW 1, 1 PKW-Anhänger und 1 Einsatzboot.

Eine stattliche Bilanz, die keineswegs für Kraiburgs Wehr bedeutete, sich auf Lorbeeren auszuruhen, sondern Ansporn zu neuen Erfolgen war.

Dies zeigten vor allem St. Florians Jüngste, die 1991 bei oberbayerischen Ausscheidungen den 1. Platz erringen konnten und auf bayerischer Ebene den 8. Rang, so daß sie zu den 10 besten Jugendfeuerwehren Bayerns zählten.

Am 12. und 13. Oktober gab es für die Wehr wieder einen berechtigten Grund zu feiern: 120 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kraiburg. Mit dabei waren wie immer die Freunde aus Ybbs. Ein Gesellschaftsabend mit dem traditionellen Faßlrutsch´n stimmte Einheimische wie Gäste auf den folgenden Tag ein.

Der Festzug führte unter Beisein aller örtlichen Vereine vom Feuerwehrhaus zur Pfarrkirche, in der Pfarrer Hamberger das feierliche Hochamt zelebrierte. Als Leitgedanken seiner Predigt stellte er das Dienen und Helfen in den Mittelpunkt. Dafür seien jedoch immer schwerer Menschen zu gewinnen. "Wir brauchen Euch Feuerwehrmänner, damit niemand in der Not ohne Hilfe ist. Dafür ist Euch ein herzliches Vergelt’s Gott zu sagen."

Im Anschluß daran weihte Pfarrer Hamberger die restaurierte Feuerwehrfahne von St. Maximilian.

Der Festakt fand im Bischof-Bernhard-Haus statt, bei dem die gestifteten Ehrenbänder von Elisabeth Huber, der Frau des Ehrenvorsitzenden und von Bürgermeister Alois Schlagmann, dem Schirmherrn des Festes, an die Fahnen geheftet wurden. Der Bürgermeister hob in seiner Ansprache die Schutzfunktion der Feuerwehr für die Bürger unseres Staates hervor, da die öffentliche Hand deren Leistungen nicht ersetzen könne. Kreisbrandrat Benedikt Weinbauer bezeichnete das Jubiläum als einen stolzen Tag für die Gemeinde und nannte die geweihte Fahne ein Zeichen der Gemeinschaft und des Zusammenhaltens für Vergangenheit und Zukunft.

Auch der Bürgermeister von Ybbs, Herbert Renner, gratulierte dem Jubelverein und stellte die 29jährige enge Freundschaft seiner Heimatstadt mit Kraiburg vor. Am Schluß sprach er an alle Kraiburger Bürger eine offizielle Einladung für das nächste Jahr aus, um in Ybbs die 30jährige Freundschaft zwischen beiden Orten zu feiern.

Am Samstag, den 17. Oktober 1992 war es so weit. Vier vollbesetzte Omnibusse starteten am frühen Morgen nach Ybbs an der Donau, wo die Kraiburger vom Bürgermeister herzlich begrüßt wurden. Das freundschaftliche Treffen stand unter dem Motto "Ein Salut für Kraiburg". Für den Abend hatten Stadtrat und Feuerwehr die Kraiburger Freunde zu einem Festabend eingeladen. Der Austausch von Erinnerungsgeschenken, die Reden der Bürgermeister beider Orte sowie Musik- und Gesangseinlagen gaben dem offiziellen Teil seinen Rahmen. Im Anschluß daran feierten die Kameraden bei flotter Musik und Tanz die 30jährige Freundschaft bis in den frühen Morgen.

Beim Festzug am Sonntag vom Feuerwehrhaus zur Kirche am Stadtplatz beteiligten sich viele Vereine mit ihren Fahnen und teilweise in historischen Gewändern. Einziger Wehmutstropfen dabei war das naßkalte Wetter. Den Festgottesdienst hielt der Dekan von Ybbs zusammen mit dem Kraiburger Pfarrer Josef Hamberger - umrahmt von der Blaskapelle Seisrein und der Liedertafel Kraiburg. In seiner Predigt griff Pfarrer Hamberger den Sinn einer Freundschaft auf und ihren heutigen Wert. Der nachkirchliche Frühschoppen brachte einen erneuten Höhepunkt der Begegnung mit der Medaillenverleihung für Internationale Zusammenarbeit durch den Deutschen Feuerwehrverband. Empfänger dieser Auszeichnung waren die Ybbser Initiatoren und Förderer der Feuerwehrkameradschaft . Nach einem gemeinsamen Mittagessen traten die Kraiburger ihre Heimfahrt an, nicht ohne vorher die Ybbser wider zu einem Gegenbesuch in den Markt einzuladen.

Am 15. Mai 1993 qualifizierte sich die Jugendgruppe der Kraiburger Wehr mit seinem Jugendwart Franz Ziegler mit dem 4. Platz in Neuburg a. d. Donau für die bayerische Ausscheidung im Bundeswettkampf. Bei der bayerischen Ausscheidung am 22. Mai in Furth im Wald erreichte die Kraiburger Jugendgruppe unter 29 Mannschaften aus Bayern den 18 Platz.

Wie bereits 1976 nahm im Juli 1993 wieder eine Löschgruppe der Feuerwehr Kraiburg mit Erfolg am niederösterreichischen Landesfeuerwehrwettbewerb teil.

Am 3. Oktober 1993 hoben die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises den "Kreisfeuerwehrverband Landkreis Mühldorf am Inn e.V." aus der Taufe mit Kreisbrandrat Benedikt Weinbauer als Ersten Vorsitzenden und Kreisbrandinspektor Karl Neulinger als dessen Ersten Stellvertreter.

Zwar gab es schon früher den Gauverband Mühldorf-Neumarkt und späteren Bezirksverband Mühldorf, zu dessen Gründungsmitglied Kraiburg ebenfalls zählte. Diese Vereinigung und der übergeordnete Bayerische Landesfeuerwehr-Verband wurden jedoch 1938 im Dritten Reich aufgelöst. So war es nach 55jähriger Pause nötig, auch einen Landesfeuerwehr-Verband wieder zu erwecken; dies geschah dann am 9. Oktober 1993 mit den Stimmen der Kreisfeuerwehrverbände.

Sinn und Zweck dieses Verbandes sollte sein, die Feuerwehren untereinander oder mit anderen Organisationen besser zu koordinieren, auf Kreisebene Fachbereiche auszubauen und eine optimale Aus- und Weiterbildung der Männer zu gewährleisten; mit Rat und Tat bei sozialen Angelegenheiten beizustehen und den Feuerwehrgedanken in der Öffentlichkeit zu fördern.

Der Umstand, daß der eigentliche Gründungsgrund der Feuerwehren - das Feuer - nur noch einen kleinen Bruchteil aller Hilfeleistungen ausmacht, erfordert eine immer qualifiziertere Ausbildung, vor allem im technischen Bereich. Ein hoher Ausbildungsstand, wie ihn die Freiwillige Feuerwehr Kraiburg hat, ist in unserer technisierten Welt nur in guter kollegialer - ja kameradschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen Wehren möglich.

Zur Stärkung der Einsatzbereitschaft wurden im Februar 1995 fünfzehn neue tragbare Funkalarmempfänger angeschafft. Seit diesem Zeitpunkt ist für kleine technische Hilfeleistungen eine Sirenenalarmierung in Kraiburg entbehrlich.

Bei der Generalversammlung am 07. April 1995 gab Franz Oberpaul wegen seiner arbeitsintensiven Aufgabe als Kreisbrandmeister das Amt des 2. Kommandanten auf. Als Nachfolger wurde von der aktiven Mannschaft Robert Ziegler gewählt.

Wegen des im Jahre 1996 anstehenden 125-jährigen Gründungsfestes der Feuerwehr Kraiburg nahm der Festausschuß unter Leitung von Karl Neulinger seine Tätigkeit auf. Im selben Jahr wurde der 1986 vom Bund in Dienst gestellte Rüstwagen wegen Umstrukturierung der Katastrophenschutzzüge der Feuerwehr Kraiburg überstellt.

Das Jahr 1996 war vom 125-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Markt Kraiburg a. Inn geprägt. Die Feierlichkeiten begannen am 16. März 1996 mit dem Patenbitten bei der Feuerwehr Guttenburg. Am 16. Mai wurde das Festwochenende mit dem traditionellen Maibierausschank bei strahlendem Sonnenschein und großer Besucherzahl am Gerätehaus eröffnet. Am 17 Mai folgte der Showabend mit dem Orchester Ambros Seelos, das im Festzelt für eine ausgelassene Stimmung sorgte. Am Vorabend des Festsonntages fand ein Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Kameraden statt. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein im Festzelt spielte die Jugendblaskapelle Kraiburg und die Blaskapelle St. Jakob aus Kärtnen zur Unterhaltung auf. Der Höhepunkt des Jubiläums war am Sonntag, den 19 . Mai 1996. Ein imposanter Zug mit über 120 Vereinen zog zum Festgottesdienst auf den geschmückten Marktplatz. Nach dem Gottesdienst wurde die restaurierte Fahne der Feuerwehr Kraiburg von Verbandspfarrer Josef Hamberger geweiht. Festreden der Ehrengäste rundeten das Programm am Marktplatz ab. Anschließend formierten sich die Gäste zum Festzug durch den Markt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt wurde der 2. Kreisfeuerwehrtag abgehalten. Ein weiterer Höhepunkt des Tages war der Korso von über 50 historischen Feuerwehrfahrzeugen durch den Markt. Stellten sie doch einen Streifzug durch das Feuerlöschwesen von 1870 bis in die Neuzeit dar. Das Gründungsfest wurde mit dem Patendank für die Feuerwehr Guttenburg im Gasthaus Rosenberger abgeschlossen.

Bei der Generalversammlung am 17. April 1997 standen Neuwahlen an. Beide Vorstände, der 1. Kommandant sowie der Schriftführer und Fähnrich wurden im Amt bestätigt. Robert Ziegler wurde als 2. Kommandant von Josef Bratzdrum abgelöst. Thomas Wimmer übernahm das Amt des Kassiers, das der Schriftführer Peter Esterer nach dem Tode von Hans Kifinger kommissarisch übernommen hatte.

Anläßlich des 25-jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr Kraiburg a. Inn wurde am 20. September 1997 ein Löschwassersuchwanderung abgehalten, an der 44 Jugendgruppen aus dem Landkreis teilnahmen. Die Wanderung führte durch den Marktbereich Kraiburg, vorbei an 16 Meldestellen an denen die Jugendlichen verschiedene Aufgaben meistern mussten.

Am 23. April 1999 wurde dem 1. Kommandaten Georg Stenger im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Ehrenkreuz in Gold für 40-jährige aktive Dienstzeit von Landrat Erich Rambold überreicht. Im gleichen Jahr wurde Karl Neulinger von der Kreisbrandinspektion zum neuen Kreisbrandrat gewählt. Sein Nachfolger als Kreisbrandinspektor wurde Franz Oberpaul.

Beim „Pfingsthochwasser 1999" hat sich der Hochwasserdamm in Kraiburg das erste mal bewährt und konnte befürchtete Schäden von Kraiburg abhalten.

Im Jahr 2000 wurden neue Schutzanzüge nach den aktuellen Richtlinien angeschafft. Für die Ausrüstung der kompletten aktiven Mannschaft mit dem neuen „Bayern 2000" sind Kosten von rund 25.000,00 DM entstanden, an denen sich die Feuerwehr zur Hälfte beteiligte.

Im darauf folgenden Jahr wurden neue Garderobenschränke für die Schutzanzüge angeschafft, deren Kosten von rund 11.000,00 DM voll aus Vereinsmittel finanziert wurden.

Im Oktober 2001 wurde Georg Stenger für seine Verdienste als langjähriger Kommandant das Steckkreuz des Feuerwehr-Ehrenzeichens überreicht.

Anläßlich des 30-jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr Kraiburg a. Inn wurde am 22. September 2002 im Marktbereich eine Bildersuchwanderung für die Jugendfeuerwehren des Landkreises Mühldorf a. Inn ausgerichtet an der 54 Jugendgruppen teilnahmen.

Am 22. Oktober 2002 konnte das bereits im Herbst 2001 bestellte neue Löschgruppenfahrzeug in Weisweil (Baden-Württemberg) bei Iveco-Magirus abgeholt werden. Das LF 8/6 verfügt über einen Löschwassertank, eine eingebaute Kreiselpumpe, eine Tragkraftspritze, Lichtmast, Stromerzeuger, automatisches Schaumzumischsystem sowie Atemschutz. Das Fahrzeug dient als Ersatzbeschaffung für das bereits 1977 in Dienst gestellte LF 8, das jetzt von den Kameraden aus Guttenburg genutzt wird.

Kameradschaft innerhalb jedes Feuerwehrvereins und vor allem hier in Kraiburg ist auch der Motor, der 60 Männer veranlaßt, den Dienst am Nächsten auf sich zu nehmen. Nach dem Motto "Einer für alle - alle für einen" proben sie gemeinsam in regelmäßigen Übungen für den Ernstfall und absolvieren ihre Leistungsprüfungen mit Bravour. Als "gestandene Männer" informieren sie sich über Umweltschutz, besuchen Rotkreuz-Kurse und andere weiterbildende Schulungen, lassen sich im Funk und Atemschutz ausbilden und nehmen Lehrgänge an Motorsägen und technischen Einrichtungen.

Zum Jahresende 2002 stehen der Freiwilligen Feuerwehr Markt Kraiburg a. Inn zur Alarmierung 2 Sirenen und 34 Meldeempfänger zur Verfügung. Im Gerätehaus befinden sich zur Bewältigung von Schadensereignissen 1 Tanklöschfahrzeug – TLF 16/25, 1 Löschgruppenfahrzeug – LF 8/6, 1 Rüstwagen – RW 1, 1 Mehrzweckfahrzeug – VW Kombi, 1 Einsatzboot sowie 1 Pkw-Anhänger.

Die Freiwillige Feuerwehr Markt Kraiburg a. Inn steht heute so gut da wie nie zuvor in ihrer langen Geschichte. Es ist ihr und vor allem den Kraiburgern zu wünschen, daß sich immer wieder genügend Freiwillige finden, die diese selbstlose Aufgabe zum Wohle Anderer übernehmen.